Wasserwerk Baumberg - Pumpenhalle

50 Jahre Wasserwerk Baumberg GmbH

Virginia Wettekamp

Unser Autor:

Die Wasserwerk Baumberg GmbH wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Viele Solin­ge­rinnen und Solinger kennen das Wasserwerk und die dahin­ter­ste­hende Koope­ration mit den Stadt­werken Hilden aber gar nicht. Wir klären auf.

Warum braucht Solingen mehrere Wasserwerke?

Viele Solin­ge­rinnen und Solinger werden beim Thema Wasserwerk direkt an das Wasserwerk Glüder denken. Doch Solingen wird noch von weiteren Wasser­werken beliefert. So betreibt Solingen beispiels­weise gemeinsam mit den Stadt­werken Hilden das Wasserwerk Baumberg. Dort sorgen fünf Kollegen dafür, dass jährlich zwischen 4 und 4,5 Millionen Kubik­meter Wasser nach Hilden, Langenfeld und eben auch nach Solingen fließen. Diese Querver­bindung reicht nach Ohligs, Merscheid und Aufderhöhe. Sie wird benötigt, wenn Glüder nicht (ausrei­chend) liefern kann. Dafür kann es verschiedene Gründe geben. In 2013 beispiels­weise gab es durch die Burgun­der­blutalge die Gefahr von Toxinen in der Sengbach­tal­sperre. Deshalb wurde das Wasserwerk Glüder vorsorglich vom Netz genommen.

Außerdem wird es durch den Klima­wandel immer häufiger zu Hitze­pe­rioden kommen, was den Wasser­stand in der Sengbach­tal­sperre reduziert. Diese greift zwar auf die Große Dhünn-Talsperre zu, aber auch der Wasser­vorrat der Großen Dhünn ist nicht unendlich. Auch hier besteht aufgrund der in den letzten Jahren zunehmend zu beobach­tenden Dürre­pe­rioden ebenfalls die Gefahr, dass es zu Engpässen bei den Wasser­ein­spei­sungen unseres Vorlie­fe­ranten ins Solinger Versor­gungsnetz kommen kann. Dann wird das Wasserwerk Baumberg einspringen. So muss sich keiner Sorgen machen, dass wir ihn auf dem Trockenen sitzen lassen.

Wo ist der Unter­schied zwischen den beiden Wasserwerken?

Das Wasserwerk Glüder bezieht das Wasser aus der Sengbach­tal­sperre und teilweise aus der Großen Dhünn-Talsperre. Hierbei handelt es sich um besonders weiches Oberflä­chen­wasser. Das Wasserwerk Baumberg hingegen bezieht das Wasser aus zwei Brunnen­an­lagen – eine direkt in Hilden-Karnap beim Sitz des Wasser­werks und eine in Monheim-Baumberg direkt am Rhein. Das Wasser hat eine mittlere Härte von 11 dH ist also härter als das Oberflä­chen­wasser aus der Talsperre. Das in Hilden-Karnap und Monheim-Baumberg geför­derte und aufbe­reitete Wasser ist überwiegend Grund­wasser, was zuvor durch meter­dicke Gesteins­schichten geflossen ist und dabei Kalk aufnimmt. Dieses Grund­wasser ist deswegen härter als das Oberflä­chen­wasser der Sengbachtalsperre. 

Aufgrund der unter­schied­lichen Gegeben­heiten unter­scheidet sich auch die Aufbe­reitung des Wassers. Um das Rohwasser aus der Talsperre aufzu­be­reiten, muss ein sogenanntes Flockungs­mittel vor der Filtration zudosiert werden. Dies liegt am hohen Anteil von organi­schem Material aus Oberflä­chen­ge­wässern. Das ist beim Wasserwerk Baumberg nicht nötig, denn es handelt sich um Grund­wasser mit einem kleinen Anteil Uferfiltrat.

Ein weiterer Unter­schied besteht darin, dass dem im Wasserwerk Glüder produ­zierten Trink­wasser, vor der Einleitung ins Solinger Versor­gungs­system, eine sehr geringe Menge Chlor­dioxid zugegeben werden muss. Dieser notwendige Verfah­rens­schritt resul­tiert aus einer in der Trink­was­ser­ver­ordnung veran­kerten Vorgabe für mikro­bio­lo­gisch belastete Wässer, zu denen auch Talsper­ren­wasser zählt und dient dem Schutz des nach der Aufbe­reitung keimfreien Wassers beim Transport durch das nachge­schaltete Rohrnetz. Aufgrund der Beschaf­fenheit der beiden für die Aufbe­rei­tungs­anlage des Wasserwerk-Baumberg zur Verfügung stehenden Rohwas­ser­res­sourcen, ist in Baumberg keine Schutz­chlorung erforderlich.

Immer bereit für den Fall der Fälle

Die Leitungen vom Baumberger Wasserwerk nach Solingen sind immer gefüllt: Eine kleine Hygie­ne­menge wird dauerhaft nach Solingen einge­speist, damit Leitungen und Wasser keimfrei bleiben. Die Infra­struktur steht also dauerhaft zur Verfügung, ebenso wie ein Bereit­schafts­dienst, der bei Störungen schnell handeln kann.

Warum wird das Wasserwerk mit den Stadt­werken Hilden zusammen betrieben?

Ende des 19. Jahrhun­derts hat die Stadt Ohligs das alte Wasserwerk Hilden-Karnap gebaut, um Ohligs zu versorgen und dafür die Wasser­rechte erworben. In den 60er Jahren herrschte Wasser­knappheit. Die Stadt­werke Solingen und die Stadt­werke Hilden gründeten daher 1971 die gemeinsame Wasserwerk Baumberg GmbH und bauten 1976 das Wasserwerk Baumberg.

Wasserwerk Baumberg Abriss Dezember 2009
Das alte Wasserwerk Baumberg kurz vor dem Abriss

Dieses Wasserwerk versorgte ausschließlich Hilden. Das Wasserwerk war jedoch aufgrund einer nicht einge­tre­tenen Einwohner-Entwicklung und eines sich, entgegen den damaligen Prognosen, ständig verrin­gernden spezi­fi­schen Wasser­ver­brauchs pro Kopf zu groß dimen­sio­niert und wies Bauschäden auf. So wurde das Wasserwerk Baumberg 2009 aufge­geben und abgerissen. Statt­dessen sanierte die Wasserwerk Baumberg GmbH das alte Wasser­werke Hilden-Karnap und benannte es in Wasserwerk Baumberg um. An diesem neuen Wasserwerk Baumberg halten die Stadt­werke Hilden und Solingen jeweils 50 Prozent.

Wasserwerk Baumberg Außenansicht
Das neue Wasserwerk Baumberg
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