e-Golf - Ein Interview mit Rainer Wolgast

e-Golf – Ein Interview

Christian Olbrisch

Unser Autor:

E-Auto: „Im schlimmsten Fall klingel ich irgendwo und frage nach Strom.“

Neulich hat SAT.1 meinen Kollegen Rainer Wolgast zu seinem neuen e-Golf inter­viewt. Der Redakteur hatte große Bedenken wegen der mangelnden Reich­weite, aber Rainer Wolgast ist da eher relaxt, wie man im Video sieht. Er meinte: „Im schlimmsten Fall klingel ich irgendwo und frage nach Strom.“ Schließlich könne man ja auch an der normalen Haushalts­steckdose laden.

 

Nachdem also schon SAT.1 den Kollegen inter­viewt hat, wollten wir dem in nichts nachstehen und haben ebenfalls ein Interview mit ihm geführt. Rainer Wolgast ist 60 Jahre alt und seit 1982 bei den Stadt­werken beschäftigt. Seit 2010 fährt er die E-Autos der Stadt­werke Solingen.

Hallo Herr Wolgast, Sie haben jetzt ein E-Auto, warum haben Sie gewechselt?

Ich hatte einen Golf 5, einen zehn Jahre alten Diesel, der schon 200.000 km runter hatte und auf den jetzt größere Repara­turen zugekommen wären. Letztlich überzeugend waren aber die diversen Prämien, die VW gerade zahlt: Diesel-Prämie 5.000 Euro, dazu eine „Zukunfts­prämie“ von 2.380 Euro plus „Umwelt­bonus“ von 4.380 Euro – 2.000 Euro davon übernimmt der Staat. Insgesamt beträgt der Rabatt für den E-Golf also 11.760 Euro. Außerdem bezahle ich keine Steuern und brauche keinen Ölwechsel mehr.

Ein neuer Diesel wäre keine Alter­native gewesen?

Selbst bei den Euro 5 oder Euro 6 Diesel ist man doch nicht sicher, wie lange man damit noch fahren kann. Ich wollte eine zukunfts­feste Variante. Deshalb habe ich den E-Golf auch nur geleast. So kann ich ihn in drei Jahren, wenn die Technik sich wahrscheinlich weiter­ent­wi­ckelt hat, problemlos zurück­geben.

Und die Frage nach der Reich­weite?

Am Samstag fahre ich erstmals eine lange Strecke. Da will ich nach Mühlheim zum Antik­markt. Ansonsten bin ich bisher nur die Strecke zur Arbeit und zurück gefahren. Da fahre ich von den Stadt­werken aus die Mangen­berger Straße runter bis ins Nacker­bachtal. Das sind so fünf bis sechs Kilometer, wo ich viel bergab fahre. Und wenn ich mit einer Reich­weite von 100 km losfahre, dann habe ich zuhause eine Reich­weite von 102 km, weil das Auto beim Bremsen Energie zurück gewinnt. Auf dem Weg zur Arbeit bleibt die Reich­weite etwa gleich. Aber ich bin es als LKW-Fahrer eben auch gewohnt, voraus­schauend zu fahren.

Und wenn Sie mit dem Auto mal in Urlaub fahren wollten?

Überhaupt kein Problem: Ich habe in den nächsten zwei Jahren jeweils 30 Tage, an denen ich mir bei VW kostenfrei ein Auto mit belie­bigem Antrieb leihen kann. Das ist Teil des Leasing­ver­trages. Da mache ich mir gar keine Sorgen.

Was ist sonst noch anders mit dem E-Golf?

Ja, man muss sich schon damit beschäf­tigen. Wenn ich jetzt nach Mülheim fahre, werde ich den Spuras­sis­tenten testen. Der hängt sich auch in einem definierten Abstand hinter ein voraus­fah­rendes Auto. Mein Plan ist, mich hinter einen LKW zu hängen und den Windschatten zu nutzen. Aber das ist vor allem Spielerei. Letztlich habe ich ja eine Reich­weite von ca. 300 km.

Müssen Sie für diese Reich­weite nicht auf Radio oder Heizung verzichten?

In der Tat muss ich nach dem Laden möglichst die Klima­anlage ausschalten. Die frist schon 50 km Reich­weite. Aber Radio und Heizung hatte ich immer an. Da gibt es keine Einschrän­kungen.

Wie ist das mit der Suche nach Ladesäulen?

Mein Navi zeigt mir die Ladesäulen an. In Solingen sind das die Stadt­werke, aber man kann auch bei Aldi Süd in Ohligs tanken. Die nächste Ladesäule ist dann aller­dings erst wieder in Hilden.

Und wie klappt das mit dem Tanken an der Ladesäule?

Am Anfang hatte ich Probleme mit der App. Das musste ich mir erstmal erklären lassen. Einmal bekam ich nach dem Tanken das Kabel nicht mehr aus der Ladesäule. Ich habe dann bei der Notfall­nummer angerufen, die auf der Säule steht, und der Herr am anderen Ende hat das manuell freige­schaltet. Jetzt weiß ich: Eigentlich hätte ich das Auto vorher aufschließen müssen, um die Strom­zufuhr zu unter­brechen. Also, solche Situation machen schon mal Stress, aber man muss eben seine Erfah­rungen machen und dann läuft das auch.

Können Sie denn von den Erfah­rungen anderer profi­tieren, gibt es da Austausch zwischen E-Auto-Besitzern?

Ja, klar. In Solingen gibt die Klingen­stromer. Die treffen sich regel­mäßig. Da war ich jetzt schon einmal und der Austausch war gut und inter­essant. Also die richtige Adresse für alle, die über ein E-Auto nachdenken.

Infor­ma­tionen über den Verein Klingen­stromer e.V. erhalten Sie bei Stefan Kirschner unter info@klingenstromer.de oder unter www.klingenstromer.de.

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