Elektroschrott
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Elektro­schrott umwelt­ge­recht entsorgen: Das solltet ihr jetzt wissen

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Zehntau­sende Elektro­geräte landen in Deutschland im Hausmüll, anstatt umwelt­schonend entsorgt oder – besser noch – recycelt zu werden. Ein neues Gesetz soll das verbessern und schreibt dazu seit Mitte des Jahres neue Regeln vor.

Status quo: Viel Schrott, wenig Recycling

Wusstet ihr, dass jeder oder jede Deutsche durch­schnittlich 10,3 kg Elektro­abfall pro Jahr verur­sacht? Das sind jährlich insgesamt rund 1,7 Mio. t Elektro­schrott. Weltweit fallen jedes Jahr sogar gigan­tische 50 Mio. t Elektro­abfall an – so viel wie das Gewicht von etwa 125.000 Jumbo-Jets oder 4.500 Eiffel­türmen. Diese riesige Menge hat selbst mich als Elektro­nik­ex­perten überrascht, als ich vor ein paar Tagen davon gehört habe. Als ich dann genauer darüber nachdachte, wurde mir das Ganze aber schnell klar. Schließlich steckt vom Handy bis zum Bügel­eisen, von der Wasch­ma­schine über den Computer, von der Decken­lampe bis zur Zeitschaltuhr überall Elektronik drin. Dass solche Geräte kaputt­gehen und damit zu Elektro­schrott werden, geht leider oft schneller als man denkt: Wie mein Kollege Andreas Hugo in seinem Blogar­tikel schon vor einiger Zeit berichtet hat, lassen sich noch immer weniger defekte Elektro­geräte reparieren (Stichwort: geplante Obsoleszenz). Außerdem werden viele Geräte von Vorne­herein gar nicht für eine lange Nutzung entwi­ckelt. Smart­phone-Akkus können z. B. oft nicht mehr gewechselt werden, Kundinnen und Kunden sollen sich statt­dessen regel­mäßig ein neues Gerät kaufen. Doch Elektro-Geräte, die nicht mehr gewollt oder kaputt sind, haben immer noch einen gewissen Wert. Vor allem Smart­phones enthalten teure Bestand­teile. Aller­dings liegt der Anteil des Elektro­schrotts, der in der EU recycelt wird, nur bei unter 40 % und ist damit viel zu gering.

Seit 1. Juli 2022: mehr Rücknah­me­stellen, (hoffentlich) mehr Recycling

Eine grund­sätz­liche Voraus­setzung für das Recycling von Elektro­schrott ist die Rückgabe defekter E-Geräte an Händler und kommunale Rücknah­me­stellen. Dort können eure defekten Geräte gesammelt, ordnungs­gemäß entsorgt oder eben recycelt werden. Eine EU-Richt­linie sieht dazu eine sog. Sammel­quote vor: Seit 2019 soll die Menge an gesam­melten Elektro­alt­ge­räten mindestens 65 % des gemit­telten Gesamt­ge­wichts der in den Vorjahren in Verkehr gebrachten Elektro­geräte entsprechen. 2021 wurde diese Quote in Deutschland mit 44,3 % deutlich verfehlt. Traurig, oder? Offenbar landet der größte Teil des Elektro­schrotts immer noch auf Dachböden, in Schub­laden, im Hausmüll (wo er überhaupt nicht hingehört) oder bei nicht zerti­fi­zierten Schrotthändlern. 

Doch eine Novelle des deutschen Elektro­ge­setzes (kurz: ElektroG3) bringt inzwi­schen neuen Schwung in die Sache: Seit dem 1. Juli dieses Jahres könnt ihr eure Elektro-Altgeräte auch an Lebens­mittel- und Super­märkte mit einer Gesamt­ver­kaufs­fläche von mind. 800 qm zurück­geben, wenn diese wenigstens aktions­weise mehrmals pro Jahr Elektro­geräte zum Kauf anbieten. Solche Kriterien erfüllen sicher die meisten Filialen der klassi­schen Super­markt­ketten wie Edeka, REWE, Aldi & Co.

Was genau zum Elektro­schrott zählt

Vielleicht fragt ihr euch jetzt, wie ihr eigentlich feststellen könnt, welche Abfälle als Elektro­schrott gelten und damit zurück­ge­geben werden können. Zählt schon ein Wecker dazu? Oder was ist mit einer ausge­dienten Perso­nen­waage oder einer alten Steckdose? Fakt ist: Alles, was per Strom­kabel, Telefon­kabel oder mit Batterien bzw. Akkus betrieben wird, ist Elektro­schrott und darf damit auf keinen Fall in den Hausmüll. Auch Steck­dosen und Licht­schalter zählen dazu. E-Geräte aus jüngeren Baujahren könnt ihr am Symbol einer durch­ge­stri­chenen Mülltonne erkennen. Es kennzeichnet alle Elektro­geräte, die fachge­recht entsorgt werden müssen. Natürlich gehören auch leere Batterien und defekte Akkus zum Elektro­schrott, denn sie enthalten Blei, Cadmium und Queck­silber. Das ist einer­seits giftig, anderer­seits würden wertvolle Metalle ohne Entsorgung verloren gehen. 

Batterien könnt ihr z. B. in fast jedem Droge­rie­markt in einer Altbat­te­rien­kiste entsorgen, Akkus u. a. im Solinger Entsor­gungs­zentrum Bärenloch, Cronen­berger Str. 177, kostenlos abgeben. Pedelecs bis max. 25 km/h gehören ebenso zum Elektro­schrott wie Nacht­spei­cheröfen, Photo­vol­ta­ik­module und Leuchten. Aber was ist z. B. mit Schuhen mit beleuch­teter Sohle oder einem elektrisch verstell­baren Fernseh­sessel? Die Antwort ist relativ einfach: Sind elektro­nische Bauteile fest mit einem Produkt verbunden oder lassen sich nur sehr schwer ablösen, gilt das gesamte Produkt als Elektroschrott. 

Leider geht in den letzten Jahren insbe­sondere bei LED-Leuchten der Trend immer mehr zu dauer­haften, nicht mehr austausch­baren Leucht­mitteln. Solche Geräte, die eigentlich noch in Ordnung wären, müssen dann nach einem Defekt in der LED-Beleuchtung als Ganzes entsorgt werden. Könnt ihr elektrische Produkt-Bestand­teile dagegen abmon­tieren wie bei einem Wohnzim­mer­schrank mit angeschraubter Beleuchtung, muss nur die Elektronik als Elektro­schrott entsorgt werden. Der Rest kann wieder­ver­wendet oder zum Sperrmüll etc. gebracht werden. Welche eurer Abfälle ihr z. B. ins Entsor­gungs­zentrum Bärenloch zurück­bringen könnt, lest ihr hier. Wichtig: Geräte, die den Strom nur durch­leiten, sonst aber keine Funktion haben, zählen ebenfalls zum Elektro­schrott und müssen zur Sammel­stelle oder zum passenden Händler gebracht werden. Dabei handelt es sich u. a. um Stecker und -leisten, Audio­kabel, Kabel­trommeln, Außen­an­tennen oder Steckdosen.

Wohin mit dem Elektroschrott?

  • Nachdem bisher nur Elektronik-Geschäfte mit einer Verkaufs­fläche von mehr als 400 qm Elektro-Altgeräte kostenfrei zurück­nehmen mussten, sind seit dem 1. Juli auch die Super­märkte ab 800 qm zur Rücknahme verpflichtet.
  • Das Gleiche gilt für Online-Händler: Sind ihre Lager- und Versand­flächen größer als 400 qm bzw. 800 qm, müssen sie Elektro­schrott ebenfalls zurück­nehmen und ordnungs­gemäß entsorgen. Die Berechnung der Online-Handels­flächen wurde aller­dings neu definiert, so dass jetzt mehr Online-Händler als noch vor dem 1. Juli unter die Rücknah­me­vor­gaben fallen. Einige kleinere Händler nehmen ausge­diente Elektro­geräte auch freiwillig ohne gesetz­lichen Zwang zurück. Diesen Service dürfen sie aber nur kostenlos anbieten. Lediglich Trans­port­kosten können berechnet werden.
  • Natürlich müssen die Kommunen auch weiterhin Sammel­stellen wie das Entsor­gungs­zentrum Bärenloch anbieten. Hier könnt ihr Altgeräte in der Regel kostenlos abgeben.
  • Ob ein Elektro­alt­gerät im Handel kostenlos oder kosten­pflichtig zurück­ge­nommen wird, hängt vor allem von seiner Größe ab. Geräte mit einer Kanten­länge unter 25 cm (keine Kanten­länge darf länger sein) müssen kostenlos angenommen werden. Egal, ob ihr es dort gekauft habt oder ob ihr ein neues Gerät erwerbt. Aller­dings ist die Rücknahme auf drei Geräte pro Geräteart beschränkt. Bei größeren Dingen, z. B. einer Wasch­ma­schine, gilt: Kauft ihr ein neues Gerät, muss der Händler dafür ein Gerät der gleichen Kategorie kostenlos zurück­nehmen. Das ist auch der Fall, wenn euer Gerät nach Hause geliefert wird. Bei Abschluss des Kaufver­trages muss der Händler aber seit dem 1. Juli deutlich auf die Rücknah­me­mög­lichkeit bei Anlie­ferung hinweisen und das schon im Kaufvertrag verein­baren. Diesen Pflichten unter­liegen auch Super­märkte oder Discounter, die größere E-Geräte als Aktionsware oder dauerhaft verkaufen.
  • Bei Toner­kar­tu­schen und Drucker­pa­tronen müsst ihr besonders aufpassen: Modelle mit elektro­ni­schen Bauteilen gehören in den Elektronik­schrott. Andere, die nur mecha­nische Teile enthalten, solltet ihr über den Restmüll entsorgen.
  • Ein einheit­liches Sammel­stel­lenlogo, mit dem alle Sammel- oder Rücknah­me­stellen für Elektro­alt­geräte gekenn­zeichnet sein müssen, gibt zusätz­liche Orien­tierung bei der Entsorgung von Elektroschrott.
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