Fallschirmspringen: Lena Sdralek

Hobbys von Mitar­beitern – Fallschirm­springen

Kerstin Griese

Unser Autor:

Zierlich und zurück­haltend sitzt die neue Kollegin vor mir: Lena Sdralek scheint alles andere als drauf­gän­ge­risch und doch springt sie regel­mäßig in 4.500 Meter Höhe aus einem Flugzeug, getragen nur durch ein hauch­feines Stück Stoff.

„Fallschirm­springen ist ein wirklich sicherer Sport“

Doch, meinen Vorur­teilen begegnet die Kollegen gleich selbst­sicher: „Fallschirm­springen ist ein wirklich sicherer Sport. Es gibt zwei Fallschirme. Den Reser­ve­fall­schirm packt ein zerti­fi­zierter Techniker, der auch das Gurtzeug einmal im Jahr überprüft. Und dann gibt es noch einen Automaten, den so genannten Cypres, der automa­tisch den Reser­ve­fall­schirm auslöst, wenn eine bestimmte Höhe unter­schritten wird. Dieses System hat noch nie versagt. Wenn es zu Unfällen kommt, in denen der Fallschirm nicht ausgelöst wurde, sind dies meist Suizide. Man kann den Cypres nämlich – aller­dings sehr aufwändig – deakti­vieren.“ So viel also zu meinen Vorur­teilen.

Tandem­sprung als Start­punkt

Aber wie kommt eine junge Frau zu einem solchen Hobby? Lena Sdralek kann sich gar nicht mehr erinnern, wann der Wunsch nach dem freien Fall bei ihr entstanden ist. Eigentlich wollte sie das „schon immer“. Vielleicht waren es die Achter­bah­nen­fahrten, die sie so liebt, oder die Erzäh­lungen von Freunden, die einen Tandem­sprung gemacht hatten. Start­punkt für das Fallschirm­springen war dann auch ein Tandem­sprung vor fünf Jahren. Bei diesem Sprung hat sie nicht nur einen neuen Sport sondern auch ihren heutigen Freund kennen­ge­lernt und ist bei beiden geblieben.

Fallschirmspringen: Sechs Springer am Meer

Umfang­reiche Ausbildung

In 2015 konnte sie dann endlich die dreimo­natige Ausbildung machen. „Dazu gehören zwei Tage Theorie und sieben begleitete Sprünge“, erzählt sie. Dabei wird der Novize von zwei Lehrern beim Sprung gehalten, die ggf. auch den Schirm auslösen und über Funk ansprechbar sind. Anschließend finden fünf Forma­ti­ons­sprünge mit einem Coach statt, drei Sprünge aus geringer Höhe (1.500 Meter) und weitere zehn Sprünge aus einer Höhe von 4.500 Metern. Erst dann durfte sich die Kollegin zu den Fallschirm­springern zählen. Diese seien übrigens eine einge­schworene wenn auch ziemlich bunte Gemein­schaft. Man lebt an den Wochen­enden am Sprung­platz in Soest in Wohnwagen, abends gäbe es Lager­feuer und Musik. Dieses Drumherum sorge dafür, dass sie überzeugt ist: „Ich kann mir nicht vorstellen, mit dem Fallschirm­springen aufzu­hören.“

Freefly mit Körper­einsatz

In der Zwischenzeit hat Lena Sdralek schon 400 Sprünge absol­viert, alleine 200 in 2018. Die Saison ist von Ostern bis Halloween. Da sind schon mal acht Sprünge an einem Tag nötig, damit man auf diese Menge kommt. Sie selbst betreibt übrigens den Freefly, wo in allen Körper­po­si­tionen gesprungen wird. Diese Form ist von der Körper­haltung her anspruchs­voller als das so genannte RW-Fliegen, bei dem man den Flug quasi auf dem Bauch liegend absol­viert. „Man braucht viel mehr Körper­spannung und -kontrolle, weil selbst kleinste Bewegungen, die Position in der Luft massiv verändert. Mir hat mein früheres Ballett­training geholfen. Trotzdem benötigt man etwa 150 bis 200 Sprünge, bis man das z. B. im Sitzen machen kann“, erläutert sie die beson­deren Heraus­for­de­rungen. Und schnell ist es auch noch: Während man beim Bauchfall ca. 200 km/h drauf hat, sind es beim Fall mit dem Kopf voraus schon 300 km/h.

Alter­na­tiven im Winter

Und was macht Lena Sdralek im Winter? Sie trainiert z. B. in Bottrop. Dort gibt es einen Windkanal, wo sie die einzelnen Bewegungen gut trainieren kann. „Und einmal im Winter fahren wir zum Fallschirm­springen in den Urlaub. Über Weihnachten waren wir an der Algave. Dort kann man über dem Meer abspringen und hat dabei eine wunderbare Aussicht. Noch schöner ist es, wenn man in den Sonnen­un­tergang hinein springt. In diesen 70 Sekunden freier Fall ist man ganz auf sich konzen­triert, das ist ein Gefühl totaler Freiheit und ohne Sorgen,“ schwärmt sie.

Fallschirmspringer in Formation vor Sonnenuntergang

Erleb­nis­reich

Gefragt nach ihrem schönsten Erlebnis, berichtet Lena Sdralek von einem Forma­ti­ons­sprung mit 15 Personen, die gemeinsam aus 5.000 Meter Höhe abgesprungen seien. Einige von ihnen hätten Rauch­pa­tronen an den Beinen gehabt, so dass der Himmel ringsum voller Farben gewesen sei. Der lustigste Sprung, so schiebt sie hinterher, sei der 100ste gewesen. Dort sei es Tradition, dass möglichst viele Fallschirm­springer mitspringen und den Jubilar nach der Landung mit Torten bewerfen. Das nächste Mal sei dies beim 500sten Sprung zu erwarten.

Und was rät die Kollegin jemandem, der jetzt Blut geleckt hat: „Unbedingt auspro­bieren! Ich kann den Sprung­platz in Soest nur empfehlen.“ Inter­es­senten am Fallschirm­springen können sich per Mail an Lena Sdralek l.sdralek@stadtwerke-solingen.de oder direkt an www.skydive-soest.de wenden. Einen Fallschirmclub gibt es übrigens auch in Remscheid.

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