Honigglas

Die Honig­ernte

Martin Kemmerich

Unser Autor:

Norma­ler­weise ist erst ca. Mitte Juli das große Blühen beendet. Die letzten ertrag­reichen Nektar­spender sind in unserer Region die Brombeer­blüte und die Linden­blüte. Dieses Jahr ist alles etwas früher verblüht, da wir ein sehr gutes Frühjahr mit hohen Tempe­ra­turen und vielen Sonnen­tagen hatten. Die Honig­räume sind voll und können geerntet werden. Also los mit der Honig­ernte!

Das aller­wich­tigste vor dem Abräumen der Honig­räume ist aber, vorher zu überprüfen, ob die Bienen noch genug Honig für sich selber haben. Denn sonst müssen die Bienen mit Futter­sirup versorgt werden. Bei der Honig­ernte ist es außerdem sehr wichtig, vorher zu überprüfen, ob der Honig überhaupt reif ist und geerntet werden darf. Der Gesetz­geber schreibt einen Wasser­gehalt im Honig von höchstens 20 % vor. Der Wasser­gehalt gilt als ein bedeu­tendes Quali­täts­kri­terium für den Honig. Ein niedriger Wasser­gehalt bedeutet eine längere Haltbarkeit. Bei einem hohen Wasser­gehalt kann der Honig schnell anfangen zu gären und ungenießbar werden.

Refrakt­ro­meter: Wasser­gehalt prüfen

Am Bienen­stand macht sich der Imker während der Honig­ernte einen ersten Eindruck über die Reife des Honigs. Wenn die Waben­zellen der Honig­waben mit einem Wachs­de­ckelchen verschlossen sind, ist der Honig in der Regel reif. Aber das ist keine hundert­pro­zentige Sicherheit, denn wenn die Bienen sehr viel Nektar zu verar­beiten haben, können auch schon mal Honig­waben verde­ckelt worden sein, die nicht den gewünschten niedrigen Wasser­gehalt haben. Sicherheit bringt hier nur das geeichte Refrak­to­meter, besonders, wenn die Waben auch noch nicht alle ganz verde­ckelt sind. Eine kleine Probe des zu prüfenden Honigs wird auf den Glaskörper des Refrak­to­meters gestrichen. Man liest dann den Wasser­gehalt in einer Skala ab, indem man das Refrak­to­meter ins Licht hält und mit einem Auge hinein schaut. Die Winzer benutzen ein ähnliches Gerät, um den Oechsle-Grad der Trauben (Zucker­gehalt) zu überprüfen.

Honig schleudern

Im Schleu­derraum kommen die Honig­waben dann nachein­ander in eine Halte­vor­richtung, um jede Wabe einzeln von Hand mit der sogenannten Entde­cke­lungs­gabel zu entde­ckeln. Das heißt, die Wachs­de­ckelchen werden großflächig entfernt, um die Zellen mit dem Honig frei zu legen. Während des Entde­ckelns der Honig­waben wird der Wasser­gehalt im Honig mit dem Refrak­to­meter immer wieder kontrol­liert. So ist der Imker sicher, immer nur reifen Honig zu schleudern, den er dann auch in den Verkehr bringen darf.

Anschließend kommen die offenen Waben in die Honig­schleuder (Zentrifuge) und der Honig wird manuell mit einer Kurbel oder sogar mit einer elektrisch betrie­benen Honig­schleuder aus den Waben geschleudert und fließt aus einem Hahn am Boden der Honig­schleuder in einen bereit­ge­stellten Honigeimer. Ist der Eimer voll, wird er durch ein feines Sieb in ein anderes Behältnis umgefüllt. Dies geschieht, um Wachs­par­ti­kelchen, die von den Waben beim Schleudern mitge­rissen werden, zurück zu halten. Jetzt muss der Honig ca. 2 Tage in dem luftdicht verschlos­senen Eimer ruhen. In dieser Zeit steigen aus dem Honig mikro­sko­pisch kleinste Wachs­teilchen an die Oberfläche. Diese werden anschließend mit einem Schaber abgenommen. Jetzt ist der Honig fertig und kann in Gläser abgefüllt werden, gegebe­nen­falls kann er vorher noch gerührt werden.

Waben­bruch vermeiden

Die Tempe­ratur in einem Bienenvolk beträgt ca. 38 Grad Celsius. Wenn bei der Honig­ernte die Honig­räume von den Völkern abgeräumt werden, ist es sehr wichtig, den noch warmen Honig dann auch zeitnah (wenige Stunden) aus den Waben zu schleudern. Je mehr der Honig auskühlt, desto schwie­riger wird es, ihn aus den Waben zu bekommen. Im schlimmsten Fall droht beim Schleudern Waben­bruch, das heißt, die relativ zerbrech­lichen Waben sind den hohen Umdre­hungen in der Honig­schleuder nicht mehr gewachsen und zerbersten. Dann kann der Honig aus den Bruch­stücken nicht mehr geerntet werden.

Honig kühl und dunkel lagern

Der fertige und in Gläsern abgefüllte Honig sollte anschließend kühl, dunkel, trocken und fest verschlossen gelagert werden, aber nicht im Kühlschrank. Der Honig ist begierig, Feuch­tigkeit und auch Gerüche aufzu­nehmen. Dies hat einen negativen Einfluss auf die Haltbarkeit und den Geschmack. Wichtig zu wissen ist es außerdem, dass der Honig früher oder später fest wird. Er kristal­li­siert. Manche Honige schon nach wenigen Wochen, andere erst nach einigen Monaten oder Jahren.

Um kristal­li­sierten Honig wieder zu verflüs­sigen, kann man ihn vorsichtig im Wasserbad erwärmen. Es ist aber wichtig, den Honig nicht über 40 Grad Celsius und auch nicht mehrmals zu erwärmen, da sonst die wertvollen Enzyme der Biene und die anderen Inhalts­stoffe im Honig zerstört werden können.

So, das war es jetzt erst mal wieder für heute. Bis bald 🙂

Mit imker­lichen Grüßen

Euer Martin Kemmerich

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