Mündliche Prüfung Tim Kaul

Mündliche Prüfung zum Indus­trie­kaufmann

Azubi

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Nachdem ich alle schrift­lichen Prüfungen hinter mir hatte, wollte ich erst einmal entspannen. Das war aber gar nicht so einfach, denn der Tag der Noten­be­kanntgabe rückte immer näher. Am 22. Dezember war es dann soweit. Mit zittrigen Händen gab ich meine Anmel­de­daten zur Noten­ein­sicht ein und siehe da: Das Weihnachtsfest war gerettet! Im neuen Jahr ging dann die zweite Runde des Lernens los. Die mündliche Prüfung stand an.

Mit den nach Weihnachten und Silvester verblie­benen Gehirn­zellen, versuchte ich, mich an den bereits gelernten Stoff zu erinnern. Schwie­riger als gedacht, denn die schrift­lichen Prüfungen lagen nun auch schon zwei Monate zurück. Für die mündliche Prüfung musste ich eine Präsen­tation über einen Prozess meiner Fachab­teilung halten. Ich hatte mich für den Einkauf von Büroma­terial mit anschlie­ßender Rechnungs­be­ar­beitung entschieden. Nach der Präsen­tation, stellen die Prüfer Fragen rund um mein vorge­stelltes Thema. Daher wusste ich ungefähr, welche Aspekte ich mir besser zweimal angucken sollte.

Der Tag der Prüfung stand an. Schlafen lief auch schon mal besser. Die Prüfer bestanden aus drei Personen. Sie ließen mich in Ruhe meinen Laptop und meinen Beamer aufbauen. Anschließend fragten sie, ob ich mich denn in der Lage fühle, die Prüfung anzutreten. Auch wenn ich am liebsten „nein“ gesagt hätte, meine Antwort lautete „ja“ und nun gab es kein Zurück mehr. Zuerst habe ich ca. 15 Minuten meine Präsen­tation vorge­stellt. Die Prüfer waren mir von Anfang an sympa­thisch und hatten durch­gehend ein Lächeln auf den Lippen. Dadurch ist bereits ein großer Teil der Nervo­sität verflogen. Diese kam aber im zweiten Teil, der Frage­runde, schnell zurück. Hin und wieder waren echt knifflige Fragen dabei. Irgendwie kam aber doch immer eine Antwort aus meinem Mund heraus. Ob diese auch wirklich produktiv war, sei mal dahin gestellt. Auf jeden Fall haben die Prüfer ihr Lächeln nicht verloren.

Endlich war es geschafft und ich durfte den Raum verlassen. Die Prüfer haben sich eine gute Viertel-Stunde beraten. Als ich wieder rein gebeten wurde, war es still im Raum und das Lächeln der Prüfer war auf einmal verschwunden. Einer der Prüfer ergriff das Wort: „Dann sehen wir uns wohl leider in einem halben Jahr nochmal wieder“. In dieser Sekunde habe ich kurzzeitig mit meinem Leben abgeschlossen. Zum Glück konnten sich die andern beiden Prüfer in der nächsten Sekunde das Lachen nicht mehr verkneifen. Mit großer Erleich­terung nahm ich mein Abschluss­zeugnis entgegen.

Meine Schul- und Lernun­ter­lagen sind leider kurze Zeit nach der Prüfung aus unerklär­lichen Gründen verschwunden.

Autor: Tim Kaul

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