Solitärbienen

Die Solitär­bienen

Martin Kemmerich

Unser Autor:

Solitär­bienen – allein (solitär) lebende Wildbienen

Um diese Jahreszeit werde ich oft auf andere sehr inter­es­sante und schüt­zens­werte Insekten angesprochen. Meistens werden bienen­ähn­liche Insekten beobachtet, die irgendwie beschäftigt wirken und Unter­schlupf in verschie­densten Habitaten (z. B. Löcher in sandigen Mauer­fugen, in Holz oder sonstigen Gegen­ständen) suchen und rein und raus fliegen. Ich werde dann öfters auch schon mal besorgt gefragt, ob sich diese Bienen jetzt eventuell so stark vermehren, dass der Balkon, Terrasse oder Garten demnächst nicht mehr gefahrlos betreten werden kann.

Nach der Beschreibung des Aussehens und des Verhaltens der Tiere handelt es sich in den aller­meisten Fällen um die sogenannten Solitär­bienen oder Einsied­ler­bienen. Das sind Wildbienen, die solitär, also alleine leben und keine Staaten bilden. Diese Geschöpfe sind absolut friedlich und bedeuten keine Gefahr für uns. Da sie keine Honig­vorräte anhäufen, die sie eventuell vertei­digen müssten, ist ihr Stachel von Natur aus zu klein oder zu schwach ausge­bildet, um überhaupt durch unsere Haut stechen zu können. Die Wildbienen stehen zudem unter strengem Natur­schutz und jeder sollte sich über sie freuen. Es gibt in Deutschland ca. 500 verschiede Arten von Wildbienen. Viele Spezies benötigen auch ganz bestimmte, auf die jeweilige Anatomie (Rüssel­länge oder ähnliches) der Biene zugeschnittene, Futter­pflanzen und auch passende Unter­künfte.

Stark bedrohte Bienen­arten

Diese Bienen sind, genau wie die anderen schüt­zens­werten Insekten auch, sehr stark bedroht (Stichwort: Insek­ten­sterben). Wenn die Solitär­bienen uns überhaupt mal auffallen, sind sie meist damit beschäftigt, eine kleine Röhre oder Loch oder auch das fertig gekaufte Bienen­hotel zu besiedeln. Sie legen in die Röhren ein oder mehrere Eier hinein und hinter­lassen zu jedem Ei ein Futter­paket von Pollen und Nektar einer bestimmten Futter­pflanze. Damit hat die schlüp­fende Larve Nahrungs­vorräte. Anschließend wird die Röhre mit einem Deckelchen verschlossen und die Brut wird sich selber überlassen. In der Regel schlüpft die Brut dann erst im nächsten Jahr.

Überle­bens­wichtig: Vielfalt an Blumen, Pflanzen und Sträu­chern

Für die Solitär­bienen ist eine Vielfalt an Blumen, Pflanzen, Sträu­chern usw. überle­bens­wichtig, da sie nicht so weit fliegen können wie die Honig­biene. Für jede Art kommen auch nur ganz bestimmte Pflanzen als Futter und Pollen­spender für sie in Frage. So kann es vorkommen, dass rings­herum alles blüht, aber einige Arten von Solitär­bienen trotzdem kein Futter finden, da sie auf eine ganz bestimmte Tracht­pflanze angewiesen sind, die aber nicht oder nicht mehr vorhanden ist. Eine Pflan­zen­vielfalt ist für eine Wildbie­n­en­vielfalt, und auch generell eine Insek­ten­vielfalt, unbedingt erfor­derlich. Das momentane Angebot an Nisthilfen, wie den Bienen­hotels, ist zwar sinnvoll, aber ein Angebot an den entspre­chenden Tracht­pflanzen muss auch vorhanden sein. Ohne Nahrung ist auch keine Vermehrung möglich. Im Gegensatz zu den Honig­bienen haben die Solitär­bienen keinen direkten Beschützer wie zum Beispiel den Imker. Sie sind auf den Schutz und das Verständnis von uns allen angewiesen. Darüber hinaus leisten auch sie Ihren Beitrag an der Bestäu­bungs­leistung, aller­dings eben solitär und eher unauf­fällig.

So, das war es wieder mal für heute. Bis zum nächsten Bienen-Beitrag wünsche ich Euch alles Gute.

Mit imker­lichen Grüßen

Euer Martin Kemmerich

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