PV-Anlage der Stadtwerke Solingen (Beethovenstraße)

Stadt­werke und BESG fördern gemeinsam erneu­erbare Energien

Stefan Stüllein

Unser Autor:

BESG-Logo (BürgerEnergie Solingen)

Solar­energie nutzen und sauberen Strom produ­zieren

In den letzten Tagen habe ich morgens immer ganz besonders gute Laune, denn die Sonne lacht schon früh von einem kaum bewölkten Himmel und die angenehmen Tempe­ra­turen stimmen mich auf einen schönen Hochsom­mertag ein. Doch ich bin natürlich nicht der Einzige, der sich über die vielen Sonnen­stunden freut: In den von der Bürger­En­ergie Solingen eG (BESG) betrie­benen Photo­vol­ta­ik­an­lagen (kurz: PV-Anlagen) läuft die Produktion von Solar­strom jetzt auf Hochtouren. Schon ihre dritte PV-Anlage konnte die Genos­sen­schaft BESG im vergan­genen Jahr an der Dültgens­taler Straße in Betrieb nehmen und Nummer Vier auf dem Dach der Grund­schule Weyer geht voraus­sichtlich im August an den Start. Kurze Zeit später wird dann auch die fünfte Anlage auf der Kantine der Stadt Solingen an der Bonner Straße sauberen, sogenannten „Bürger­strom“ produ­zieren, den alle Solinger, Wupper­taler und Leich­linger Bürge­rinnen und Bürger beziehen können. Ermög­licht wird das durch eine Koope­ration zwischen den Solinger Stadt­werken und der BESG.

Aktive Gestaltung der Energie­wende vor Ort durch Gründung gemein­samer Gesell­schaft

„Gemeinsam mit den Stadt­werken, der Stadt Solingen und den Bürge­rinnen und Bürgern möchten wir als Genos­sen­schaft auf die Senkung des Energie­ver­brauchs, die Steigerung der Energie­ef­fi­zienz und die Unter­stützung dezen­traler, möglichst lokaler Energien – weitgehend aus erneu­er­baren Quellen – hinwirken“, erklärt mir Ingeborg Friege. Die Vorstands­vor­sit­zende war schon im Jahr 2014 maßgeblich an der Gründung der BESG beteiligt. „Wir haben bewusst das Modell der Genos­sen­schaft gewählt, um unseren Teil zu Trans­parenz und Demokra­ti­sierung im Energie­sektor beizu­tragen“, betont Friege. „Bürger können wie bei einem Fonds Anteile erwerben und damit Mitglieder werden. Die Genos­sen­schaft inves­tiert ihren Gewinn dann in Projekte und Anlagen, die erneu­erbare Energien fördern.“

Seit Januar 2016 koope­riert die BESG mit den Stadt­werken Solingen. Eine gemeinsame Komman­dit­ge­sell­schaft „Energie für Solingen GmbH & Co KG“ (EfS) wurde gegründet und ein Strom­produkt erfolg­reich auf den Markt gebracht, der „Bürger­strom“. Den Vertrieb und Verkauf des „Bürger­stroms“ übernimmt die BESG, meine Kolle­ginnen und Kollegen von den Stadt­werken kümmern sich um die Verträge, die Abrechnung, den Einkauf und die Kunden­be­treuung.

Ich selbst meine, dass die Koope­ration zwischen einer Energie­ge­nos­sen­schaft und einem Stadtwerk sehr naheliegend ist – beide sind lokal verbunden und engagieren sich für die aktive Gestaltung der Energie­wende vor Ort. Trotzdem kommt eine solche Zusam­men­arbeit wie bei uns in Solingen in Deutschland nur sehr selten vor. „Hier arbeiten wir gut und vertrau­ensvoll mit den Stadt­werken und auch mit der Stadt zusammen, darüber sind wir sehr froh“, berichtet Ingeborg Friege. Die Gründung der EfS ermög­lichte es der Genos­sen­schaft auch, Gesell­schaf­terin der Trianel Erneu­erbare Energien GmbH & Co. KG (TEE) zu werden und damit in die Planung, Errichtung und den Betrieb von Onshore-Windener­gie­an­lagen sowie Photo­voltaik-Freiflä­chen­an­lagen zur Erzeugung von Strom aus erneu­er­baren Energien zu inves­tieren. Ein einzelner Bürger könnte sich hier nicht direkt betei­ligen.

Solinger Photo­voltaik-Anlagen liefern sauberen „Bürger­strom“

Der zu 100 Prozent aus erneu­er­baren Energie zusam­men­ge­stellte „Bürger­strom“, in den auch die Strom­pro­duktion aus den genos­sen­schafts­ei­genen drei – in Kürze fünf – PV-Anlagen einfließt, richtet sich nach den Kriterien des OK-Power-Labels, einem in Deutschland führenden Gütesiegel für Ökostrom­pro­dukte. Im Strom­preis enthalten ist der „Solinger Sonnen­pfennig“ von 0,5 Cent pro kWh. Das einge­nommene Geld wird in den Ausbau bürger­ei­gener Anlagen zur regene­ra­tiven Strom­erzeugung in Solingen und in andere spezielle Maßnehmen zur Unter­stützung der Energie­wende vor Ort inves­tiert – nach vorhe­riger Zustimmung der General­ver­sammlung der Energie­ge­nos­sen­schaft.

„Wir wollen in Zukunft in Solingen weitere PV-Anlagen bauen und sind daher immer auf der Suche nach geeig­neten kommu­nalen Dachflächen“, betont die Vorstands­vor­sit­zende. „Manche Dächer sind aller­dings schon zu alt, so dass sich der Bau einer PV-Anlage nicht mehr lohnt, oder es gibt keinen geeig­neten Strom­ein­spei­se­punkt“, beschreibt Ingeborg Friege ihre Erfah­rungen. Wie alle der insgesamt 220 Genos­sen­schafts­mit­glieder arbeitet sie ehren­amtlich für BESG.

Die studierte Mathe­ma­ti­kerin und Physi­kerin Ingeborg Friege leitete viele Jahre die Geschwister-Scholl-Gesamt­schule und kennt sich im Bereich der regene­ra­tiven Energie­er­zeugung bestens aus. So leistete sie sechs Jahre lang Entwick­lungs­hilfe in Afrika und brachte Kindern dort ganz praktisch nachhaltige Energie­er­zeugung bei, indem sie mit ihnen einfache Sonnen­kol­lek­toren und ähnliche Hilfs­mittel zur Strom­pro­duktion konstru­ierte. Infor­ma­ti­ons­arbeit findet auch in der BESG statt: Regel­mäßig organi­sieren die Genos­sen­schafts­mit­glieder einen „Energie­wen­de­stamm­tisch“ mit Experten, zu dem auch Nicht-Mitglieder einge­laden sind. Damit will die BESG das Wissen über die Notwen­digkeit einer dezen­tralen Energie­wende weiter verbreiten.

Drittes Koope­ra­tions-Projekt in Planung: „Mieter­strom“ vom eigenen Hausdach

Die Zusam­men­arbeit zwischen den Stadt­werken und der BESG bekommt in Kürze ein drittes Standbein: So bald in Solingen größere Miets­häuser mit passenden Dächern zur Instal­lation von PV-Anlagen gefunden sind, werden Mieter diesen Strom zu vergüns­tigten Kondi­tionen als sogenannten „Mieter­strom“ beziehen können. Zwar wird der eigen­erzeugte Strom voraus­sichtlich nicht ausreichen, um ganze Miets­häuser zu versorgen. Doch für die benötigten Restmengen kann „Bürger­strom“ hinzu­ge­kauft werden, so dass für die betrof­fenen Häuser eine komplett regene­rative und doch kosten­günstige Strom­ver­sorgung möglich wird.

Hast du Fragen zum Thema Solar­strom? Möchtest du deinen Strom auch selbst produ­zieren und eine eigene PV-Anlage instal­lieren? Unter „Hausge­macht“ findest du kompe­tente Ansprech­partner.

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