Mann entspannt am Schreibtisch im Homeoffice

Stadt­werker im Homeoffice

Kerstin Griese

Unser Autor:

Stadt­werker im Homeoffice. Kann das gutgehen? Es geht sogar sehr gut. Eine kleine Umfrage unter Führungs­kräften und Mitar­beitern ergab: Vieles läuft rund. An ein paar Stellen ist Bedarf für Nachschär­fungen. Hier stelle ich erste Homeoffice-Erfah­rungen vor.

Kommu­ni­kation

Rundum gelobt wird die digitale Kommu­ni­kation über – in unserem Fall – Skype. Technisch scheinen sich alle im Homeoffice gut einge­richtet zu haben. Gelegent­liche technische Probleme sind beherrschbar. Und im Falle eines Falles greifen die Kollegen ganz pragma­tisch zum Telefon. Auch inhaltlich scheint die Kommu­ni­kation zu laufen: Aller­dings hört man von vielen Führungs­kräften, dass sie jetzt doch öfter das persön­liche Gespräch bewusst suchen. Im Homeoffice läuft man sich eben nicht mal auf dem Flur über den Weg. Einige Kollegen haben deshalb auch die Dosis von Abstim­mungs­runden und Meetings mit der eigenen Abteilung gezielt erhöht: Ob tägliche Telefonate mit den Mitar­beitern oder morgend­liche Online-Meetings – wichtig ist, mit den Kollegen in Kontakt zu bleiben. Auch unter den Mitar­beitern haben sich diesbe­züglich erste Rituale entwi­ckelt, wie z. B. der morgend­liche Kaffee per Skype. Unser IT-Leiter Marc fasst das zusammen mit: „Es besteht die gleiche, offene, ehrliche und direkte Kommu­ni­kation wie vorher auch, nur mit einem Mikro und einer Mattscheibe dazwi­schen.“

Mögliche Probleme ahnen Kollegen dort, wo Kommu­ni­kation eh schwierig wird: im Konfliktfall. Deshalb gilt es für die Führungs­kräfte, ganz besonders aufmerksam Schwin­gungen im Team zu erfassen. Und frühzeitig mit einem Anruf gegen­zu­steuern.

Produk­ti­vität

Von Abtei­lungs­leitern als auch von Mitar­beitern habe ich immer wieder gehört: „Im Homeoffice bin ich viel produk­tiver!“ Die kleinen Ablen­kungen durch Kollegen fallen eben weg. Bei aller Freude über das Geschaffte gilt es hier aber auch vorsichtig zu sein: Wo keine Pausen von außen kommen, muss man sich selber Pausen schaffen. Gerne auch bewegte Pausen, so wie die Stadt­werke das ihren Mitar­beitern jetzt dreimal die Woche online anbieten. Oder beim Spaziergang in der Mittags­pause. Dies wirkt auch dem ständigen Sitzen entgegen, dass im Homeoffice vorherrscht. Kollegen mit Kindern sehen das Thema Produk­ti­vität natur­gemäß ein wenig anders. Sie verlegen die Arbeitszeit oft auf die Zeiten, wenn Kinder schlafen oder sich der Partner kümmern kann.

Eigen­ver­ant­wortung

Ein ganz großer Pluspunkt für Führungs­kräfte, aber auch Mitar­beiter, ist die größere Eigen­ver­ant­wortung. Wie Romy es ausdrückt: „Das Homeoffice erzieht dazu, selbst­stän­diger zu werden – sei es beim Zeitma­nagement oder bei der Priori­sierung der Aufgaben.“

Andere Mitar­beiter wollen mehr Führung, freuen sich aber, dass die Führungs­kräfte jetzt nicht mehr in unzäh­ligen Meetings sitzen, sondern nur einen Skype-Anruf entfernt sind. Auch dadurch reduziert sich der Abstim­mungs­aufwand und die Prozesse werden schneller. Führungs­kräfte sind aufge­rufen, Vertrauen statt Kontrolle zu prakti­zieren.

Aber der soziale Kontakt fehlt…

Trotzdem: Der soziale Kontakt fehlt. Der Mensch ist eben ein soziales Wesen, das Austausch braucht. Und da der derzeit im Privaten wie im Beruf­lichen reduziert ist, leiden viele darunter, den ganzen Tag mit ihrem Monitor allein zu sein. Da nutzt auch der positive Effekt für die Umwelt, der dadurch entsteht, dass unzählige Fahrten zur Arbeit und nach Hause wegfallen, nichts.

Homeoffice-Erfahrung: Zehn Tipps

Unsere zehn Tipps für das Corona-Homeoffice:

  • Zieh dich vernünftig an! Es muss nicht das Business­kostüm sein, aber eben auch keine Schlaf­an­zughose.
  • Mach regel­mäßig Pausen! Notfalls im Handy den Wecker stellen und einmal pro Stunde aufstehen, was anderes sehen, was anderes denken.
  • Schaffe neue Rituale mit Kollegen! Ob es der gemeinsame Kaffee am Morgen oder der sport­liche Wettstreit (auf Distanz) mit dem Lieblings­kol­legen ist: Der soziale Kontakt zu anderen Menschen ist wichtig.
  • Greif öfter mal zum Hörer, statt eine E-Mail zu schreiben – gerade, wenn das Thema schwierig oder konflikt­be­lastet ist. Denn der Ton macht eben doch die Musik.
  • Organi­siere regel­mäßige Online-Treffen und sei es nur für einen kurzen Austausch am Morgen, der alle Teammit­glieder wieder auf den neusten Stand bringt.
  • Nutze die Video­kon­fe­renz­mög­lichkeit immer mal wieder, aber vor allem dann, wenn es zu Konflikten kommt. Denn nonverbale Kommu­ni­kation ist ein wesent­licher Teil der Kommu­ni­kation.
  • Baue regel­mäßig Bewegung in deinen Alltag ein. Gerade in Corona-Zeiten verführt das Homeoffice zu ausgie­bigem Sitzen. Neben der Mittags­pause bietet sich auch die Runde um den Block vor oder nach der Arbeit an.
  • Räume abends deinen Schreib­tisch auf und am besten weg. So signa­li­sierst du dir selbst, dass die Arbeit jetzt beendet ist und die Freizeit beginnt.
  • Vertrauen statt Kontrolle: denn als Führungs­kraft bist du jetzt ganz besonders auf die Motivation deiner Mitar­beiter angewiesen.
  • Und zu guter Letzt: Wenn die Haare furchtbar aussehen, dann setze eine Mütze auf!
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