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Was passiert, bis eine neue Ladesäule steht?

Christian Olbrisch

Unser Autor:

Wir berichten zwar immer von unseren neuen Ladesäulen, haben aber noch nie beschrieben, was an Arbeit dafür eigentlich nötig ist. Mein Kollege Petar Deskovic von den Netzen Solingen hat mal alle Schritte zusam­men­ge­fasst. Für den „Techy“ unter euch!

Ladesäule unter Blätterdach – eher nicht!

Als aller erstes benötigt man einen geeig­neten Standort für eine neue Ladesäule. Hört sich trivial an – ist es aber nicht! Denn da kommen einige Anfor­de­rungen zusammen: Gut besucht sollte der Standort sein; ein Ort, wo sich Menschen länger aufhalten; es muss ein Parkplatz im öffent­lichen Raum sein und es darf keinen Baum in der Nähe geben. Hä, wieso keinen Baum? Wäre doch schön, wenn die Ladesäule im Sommer schön im Schatten läge und bei Regen könnte ein Baum auch Schutz liefern … Das Problem liegt unter der Erde: Etwa so groß, wie die Krone des Baumes verteilen sich im Erdreich die Wurzeln. Und die dürfen nicht beschädigt werden. Glaubt es oder nicht: Tatsächlich sind viele unserer Stand­ort­ideen in Solingen am Baumbe­stand gescheitert.

Netzplaner suchen Strom und Fremdleitungen

Wenn man dann einen schicken Standort gefunden hat, gehen unsere Netzplaner ans Werk: Sie müssen schauen, ob an dem Standort überhaupt ausrei­chend Strom verfügbar ist. Eine Ladestation mit zweimal 22 kW entspricht mit ihrem Verbrauch ca. sechs Wohnungen. Oder für die Hipster unter euch: Mit einer Ladesäule könnte man über 2.000 I-Phones laden. Da ist also ganz schön viel Anschluss­ka­pa­zität nötig. Die muss irgendwo in der Nähe zu finden sein. Im nächsten Schritt schaut unsere Netzplanung, was sonst noch so im Boden liegt: z. B. Gas- und Wasser­rohre oder Leitungen von der Telekom oder den techni­schen Betrieben Solingen. Zu denen muss ein Mindest­ab­stand einge­halten werden. Und überbauen – also etwa quer eine Leitung drüber­führen – geht auch nicht.

Geneh­mi­gungen, Geneh­mi­gungen und Genehmigungen

O.k. wir haben jetzt einen schönen Standort mit ausrei­chend Anschluss­ka­pa­zität und Mindest­ab­stand zu anderen Leitungen. Dann geht der Auftrag in die technische Planung: Die Kollegen tragen die Planung in die Karten ein und legen diese Karten zur Prüfung bei der Stadt und der Telekom vor. Wenn die Geneh­mi­gungen zum Bau der neuen Ladesäule da sind, braucht es erstmal – genau: weitere Geneh­mi­gungen. Nämlich die verkehrs­recht­lichen Geneh­mi­gungen der Stadt. Schließlich soll der Bau kein Verkehrs­chaos nach sich ziehen. Sind alle diese Hürden beseitigt, sucht man einen Tiefbauer, den man mit den Erdar­beiten betraut, und stimmt einen Bautermin ab.

Strom­ar­beiten unter Spannung

Sobald der Tiefbau einen 80 cm tiefen Graben zum nächsten Strom­kabel gezogen hat, wird es technisch anspruchsvoll: Das Anschluss­kabel wird am Strom­kabel „angemufft“. Das heißt, die Kollegen um Julian Pickard schneiden das unter Spannung stehende Strom­kabel an und setzen ein Verbin­dungs­stück – also quasi eine Abzweigung – ein. Das macht man unter Spannung, damit die Anwohner in der Zeit alle weiter ihre Handys laden oder die Sport­schau sehen können. Schließlich wollen wir es uns mit euch nicht verderben 😉

„Der Porsche unter den Ladesäulen“

Während die Kollegen unter Hochspannung arbeiten, hat der Tiefbau ein Loch für das Fundament der Ladesäule ausge­hoben. Wir nutzen dafür Fertig­fun­da­mente, die schon mit einem Kabel­kanal für den Anschluss der Ladesäule an die Strom­leitung ausge­stattet sind. Jedes Fundament wiegt 340 kg. Mit einem kleinen Krahn wird das Fundament im Erdreich platziert. Anschließend hebt der Krahn die 130 kg schwere Ladesäule auf das Fundament, damit das gute Stück sicher verschraubt werden kann. Glück­li­cher­weise verbauen wir den Porsche unter den Ladesäulen. Die sind so stabil, dass sie auch Unfällen überstehen. Vor über einem Jahr hat ein PKW die Probe aufs Exempel gemacht und ist auf eine unserer Ladesäulen aufge­fahren. Wir haben die anschließend zwar aus Sicher­heits­gründen ausge­tauscht, aber die Ladesäule erhält gerade von unseren Azubis ein zweites Leben: Sie nutzen die Ladesäule für ihre Tests.

Aller­letzte Schritte für eine neue Ladesäule

Wenn alles montiert ist, verbinden die Kollegen das Zulei­tungs­kabel mit der neuen Ladesäule und testen anschließend ihre Funktion.

Neue Ladesäulen Cronenberger Straße 61 Rathaus Solingen
Ladesäulen Nummer 31 und 32
Neue Ladesäule innen Stadtwerke Solingen
Das Innere der Ladesäule

Erst wenn alles zur Zufrie­denheit funktio­niert schüttet der Tiefbau alle Gräben wieder zu. Kollege Alexander Sondern vom Team Elektro- und Kommu­ni­ka­ti­ons­technik bindet die neue Ladesäule dann kommu­ni­kativ ins Abrech­nungs­system ein und konfi­gu­riert das Lademan­gement, das dafür sorgt, dass mit der jeweils maximal verfüg­baren Leistung geladen werden kann. Und im aller­letzten Schritt erfasst Christian Olbrisch die neue Ladesäule im TankE-System, damit ihr in der App sehen könnt, ob die Ladesäule gerade frei ist.

Eurer Petar

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