10 Blick in die Tiefe Was im Boden liegt, bleibt oft verborgen – und nicht immer stimmt, was in den Plänen steht. Georadar liefert ein genaues Bild des Untergrunds und zeigt, wo Leitungen tatsächlich verlaufen. Das moderne Messver- fahren ist mittlerweile unverzichtbar für die Netze Solingen. Ein ruhiges Wohngebiet im Nord- westen der Stadt – mit Einfa- milienhäusern und Gärten. Am Straßenrand steht ein Transpor- ter der Netze Solingen, davor ein paar orange-weiße Hütchen. Viel Verkehr gibt es hier nicht. Nur eine Kehrma- schine will schnell mal durch. Katharina Söhn schiebt ein Gerät vor sich her, das fast aussieht wie ein Rasenmäher. Gelbes Gehäuse, schwarze Räder, ein Griff zum Schieben. „Gab’s leider nicht in einer anderen Farbe“, sagt sie mit einem scherzhaften Seitenhieb auf einen Fußballklub der Region. Lässt tief blicken: Wie gut die Auf- nahmen des Georadars sind, hängt auch vom Boden ab. Trockener Sand ist prima. „Rasenmäher, Vertikutierer und Kärcher – alles in einem“, scherzt Jörg Berten- rath. Die beiden scheinen sich gut zu ergänzen. „Röntgengerät” wäre aller- dings treffender. Denn mit der Technik schauen die beiden unter die Oberflä- che, ohne zu graben. Einsätze: Tendenz steigend Die Netze Solingen bauen und betrei- ben die Energie- und Trinkwassernetze der Stadt und sind daher auf präzise Informationen angewiesen, was sich wo im Boden befindet. Dort liegen Leitungen für Strom, Gas, Wasser oder Telekommunikation – und in manchen Fällen finden sich dort auch Kampfmit- tel. Viele der Trassen sind Jahrzehnte alt, vieles ist ungenau dokumentiert. Früher wurde oft noch mit dem Zoll- stock eingemessen. „Wir sollten einmal Hohlräume suchen und haben Leitungen gefunden, die in den Plänen sieben Meter weit weg lagen“, gibt die gelernte Vermessungs- technikerin Katharina Söhn einen Ein- blick in die Praxis. Georadar macht sicht- bar, was im Boden liegt – unter anderem Verlauf und Tiefe von Leitungen. Auch Nichtmetallisches, etwa Kunststoffrohre ohne Draht, lassen sich erkennen. 01 2026 Seit rund anderthalb Jahren ist das Zweierteam mit seinem Gerät im Ein- satz – aktuell drei- bis viermal im Mo- nat, Tendenz steigend. Das Team hilft, wenn es Unsicherheiten gibt. „Dann kommen wir ins Boot“, sagt Jörg Berten- rath, gelernter Energieanlagenelektro- niker. Der Ablauf: vor Ort sondieren, mit vorhandenen Plänen abgleichen und anschließend auswerten. Unterstützt wird das durch Software, die die Mess- ergebnisse sichtbar macht. Ein Einsatzbeispiel ist das Wohngebiet Börkhauser Feld. Dort haben die Stadt- werke Solingen ein Strom- und Fern- wärmenetz übernommen (siehe auch S. 8/9), für das es keine verlässliche Dokumentation gab. Mit dem Georadar konnten Katharina Söhn und Jörg Ber- tenrath Leitungen nachträglich erfassen – ohne den Boden aufzugraben. Das spart Kosten und Zeit. Externe Anbieter verlangen für solche Messungen oft hohe fünfstellige Summen. So hilfreich das Verfahren ist – es hat Grenzen. Die Ergebnisse hängen stark vom Untergrund ab. Trockener Sand liefert gute Daten, feuchte, lehmige oder steinige Böden dämpfen die Signale. „Und das Bergische Land ist