Stadtwerke verfüllen Obergraben in Glüder für Neubau der Pumpenhalle
Nach dem Hochwasser 2021 beginnt nun der Umbau des Projektraums Glüder rund ums Wasserwerk

Die neue Pumpenhalle soll auf einer Fläche im Bereich des heutigen Obergrabens nördlich des heutigen Gebäudes errichtet werden. Dafür planen die Stadtwerke Solingen nun als eine erste vorbereitende Maßnahme die Verfüllung des Obergrabens im Bereich zwischen der heutigen Brücke über den Obergaben und der heutigen Pumpenhalle. Damit werden während der gesamten Baumaßnahmenphase Einschränkungen für insbesondere Fußgänger*innen, Wandernde und Radfahrer*innen verbunden sein.
Hintergrund der Maßnahme
Das Wasserwerk Glüder ist ein zentraler Pfeiler der Trinkwasserversorgung für rund 190.000 Menschen in Solingen und Haan. Mit modernsten Aufbereitungstechnologien und ressourcenschonenden Verfahren setzen die Stadtwerke dort neue Standards in puncto Effizienz und Nachhaltigkeit.
Doch das große Hochwasser von Juli 2021 hat den Damm des Obergrabens überflutet, sodass dieser brach. Das Wasser hat in der Folge das den Obergraben und die Pumpenhalle verbindende Einlaufbauwerk für die Wasserkraftanlage so stark unterspült, dass es abbrach. Die darin befindliche Rechenanlage musste aufgrund der Beschädigungen demontiert werden. Durch die mögliche Unterspülung des Bauwerks können die tatsächlichen Folgen des Hochwasserereignisses auf das Hauptgebäude nicht vollumfänglich beurteilt werden.
„Bereits im letzten Geschäftsjahr haben wir die Planung für einen Neubau europaweit ausgeschrieben, beauftragt und dann weiter konkretisiert, um eine verlässliche Infrastruktur der Wasseraufbereitung und -versorgung sicherzustellen. Dafür sind umfassende Investitionen für diese und weitere Einzelmaßnahmen notwendig. Hinzu kommt, dass die Stadtwerke aufgrund geänderter gesetzlicher Anforderungen an kritische Infrastrukturen und ihre Sicherheitstechnik weitere Vorkehrungen treffen müssen, um Einrichtungen zur Wasserversorgung physisch zu schützen“, erläutert Michael Esser, Hauptabteilungsleiter Wasser der Stadtwerke Solingen. Auch diese Vorgaben fließen bereits in die laufenden Planungen mit ein. Damit wird die Trinkwasserversorgung in Solingen und Haan langfristig gesichert.
Ziel der Maßnahmen im Projektraum Glüder
Die bisherige Pumpenhalle aus dem Jahr 1903 wird durch ein modernes Gebäude ersetzt, das es auch ermöglicht, den technischen Anforderungen nach heutigem Standard gerecht zu werden. Altersbedingt unterlagen die Stadtwerke da in der Vergangenheit im Falle eines notwendigen Austauschs zunehmenden Beschränkungen bei der Elektrotechnik, welche nun im Zuge des Neubaus nach aktuellem Stand der Technik modernisiert wird. So kann der gestiegene Trinkwasserbedarf mit einer Leistung von zukünftig rund 2.000 Kubikmetern potenzieller Leistung pro Stunde dank moderner und effizienter Technologie bei Bedarf aus dem Wasserwerk Glüder heraus in der Region zur Verfügung gestellt werden.
Im Zuge des Projekts zum Neubau der Pumpenhalle wird zugleich auch das Projekt zur Errichtung einer neuen Ultrafiltrationsanlage in den Projektraum Glüder integriert. Die Ultrafiltration ersetzt künftig einen Teil der bestehenden Wasseraufbereitung durch moderne Membrantechnologie zur Entfernung feinster Partikel und Mikroorganismen. Damit stellt die neue Ultrafiltration die größte Weiterentwicklung der Wasseraufbereitung am Standort Glüder seit der Inbetriebnahme im Jahr 1974 dar und bildet einen wichtigen Baustein für eine langfristig resiliente und nachhaltige Trinkwasserversorgung.
Welche Maßnahme wird nun als erstes umgesetzt?
Die neue Pumpenhalle soll auf einer Fläche im Bereich des heutigen Obergrabens nördlich des heutigen Gebäudes errichtet werden. Dafür planen die Stadtwerke nun den zeitnahen Baubeginn der Verfüllung des Obergrabens im Bereich zwischen der heutigen Brücke über den Obergaben und der heutigen Pumpenhalle. „Da wir für die Wasseraufbereitung den Vordruck des aus der Sengbachtalsperre kommenden Wassers nutzen müssen und der Raum am Wasserwerk Glüder topografisch anspruchsvoll ist, sind wir bei der Standortauswahl beschränkt auf die nun zu beplanende Fläche. Eine weitere Herausforderung ist, dass der Neubau erst vollständig mit all seinen Bestandteilen errichtet und funktionstüchtig sein muss, bevor wir vom Betrieb über die alte heutige Pumpenhalle auf die neue Pumpenhalle umstellen können. Daher kann die neue Pumpenhalle nicht an der Stelle des bestehenden Gebäudes errichtet werden, weil die Wasserversorgung der Region dauerhaft sichergestellt sein muss. Nicht zuletzt befindet sich das Wasserwerk Glüder mit der Filterhalle und der neu zu bauenden Pumpenhalle in einem ökologisch sensiblen Gebiet. Dies ist ein wesentlicher Faktor, der die Planung und das spätere Baukonzept beeinflusst, denn wir sind bemüht, das neue Gebäude bestmöglich in die Landschaft einzufügen“, so Marc Nothen, zuständiger Projektleiter der Stadtwerke Solingen.
Für die Verfüllung des Obergrabens werden die Stadtwerke Solingen Erde der Güteklasse BM-0 nutzen, welche aus der Baumaßnahme an der Hermesstraße im Gewerbegebiet Fürkeltrath stammt. In enger Abstimmung mit der Wirtschaftsförderung konnten die Stadtwerke diese nachhaltige Nutzung von natürlichem Material innerhalb der Region vereinbaren, sodass es nicht entsorgt werden muss. Voraussichtlich 9.000 Kubikmeter Erde werden für die Verfüllung des Obergrabens benötigt.
Welche Einschränkungen wird es rund um das Wasserwerk Glüder geben?
Die Zuwegung Strohn aus Richtung der Glüderstr. wird für den Fuß- und Radverkehr ab dem Abzweig zum Wander- und Radweg „Rund um die Sengbachtalsperre“ (Tour 2) gesperrt. Tierheim und Waldschule bleiben mit dem Auto weiterhin über die Straße Strohn erreichbar und selbstverständlich sind auch für Arbeiten im Wald sowie für Rettungsfahrzeuge die Wege weiterhin befahrbar. Um aufgrund der beengten Fahrbahn Begegnungsverkehr von Fahrzeugen in dem Bereich bis zur Brücke vor dem Tierheim zu verhindern, wird es dort für den Gesamtzeitraum der verschiedenen Baumaßnahmen im Projektraum Glüder eine Baustellenampel geben.
Das bedeutet, dass für die Gesamtdauer der Baumaßnahmen die als „Berg- und Talfahrt Wupper“ (Tour 3) bekannte Radstrecke in diesem Bereich nicht befahrbar ist. Alternativ kann ein Umweg über die Tour 2 „Rund um die Sengbachtalsperre“ mit Abzweig Richtung Strohner Brücke ab der Waldschule über den Höhrather Weg genutzt werden. Auch Tour 9 „Durch die Wupperberge zwischen Wuppertal und Glüder“ kann ab dem Wanderparkplatz am Minigolfplatz (Balkhauser Weg) auf der anderen Wupperseite genutzt werden, um bis zum Tierheim zu kommen oder ab dort dann hinter der Strohner Brücke den weiterhin zugänglichen Brezelwanderweg „Rund um die Burg“ zu nutzen. Für Fußgänger*innen und Wandernde gibt es zusätzlich ab dem Wanderparkplatz einen Weg oberhalb der Wupper entlang, der ebenfalls zur Brücke Strohn und zum Tierheim führt. Dieser steht nicht für den Radverkehr zur Verfügung.
„Im Bereich der Strohner Brücke werden wir sicherstellen, dass Baustellenverkehr und Wege für die Öffentlichkeit getrennt voneinander sind. Dies trägt zur Sicherheit von Fußgänger*innen und Radfahrer*innen im Baustellenbereich bei. Uns ist die Sicherheit von Wandernden und Radfahrer*innen wichtig. Aus diesem Grund verhindert die Sperrung für die Dauer der Baumaßnahmen für diese Personengruppe, dass sie sich im gleichen Raum bewegen wie die zeitweise erhöhte Zahl an Baufahrzeugen“, erläutert Roland Sorgenicht, Gruppenleiter Wassergewinnung bei den Stadtwerke Solingen und fügt hinzu: „Selbstverständlich stehen wir mit dem Tierheim, der Waldschule und anderen Anspruchsgruppen im betroffenen Bereich in engem Austausch, um einen möglichst reibungslosen Ablauf des Betriebs sicherstellen zu können.“
Der genaue Baubeginn steht – Stand heute – noch nicht fest, da nach der inzwischen erteilten behördlichen Genehmigung der Maßnahme letzte Details mit den bauausführenden Unternehmen zu klären sind, um alle Auflagen und Nebenbestimmungen zu erfüllen. Die Stadtwerke gehen von einem Baubeginn noch in diesem Sommer aus.
