Frau liest auf Fußboden ein Buch

Heizkörper oder Fußbo­den­heizung?

Tim Krause

Unser Autor:

Was gibt es Schöneres, als an einem kalten, nassen Herbsttag nach Hause in eine kuschelig-warme Wohnung zu kommen? Dank unserer Fußbo­den­heizung sind auch die Zeiten der ewig kalten Füße – ganz besonders bei meiner Freundin – passé.

Fußbo­den­heizung: Warme Füße und viel Platz

Im Neubau gehört die Fußbo­den­heizung mittler­weile zum Standard – fast jeder zweite Bauherr entscheidet sich inzwi­schen dafür. Das hat viele Gründe: Eine Fußbo­den­heizung ist eine sogenannte Flächen­heizung. Sie wird instal­liert, indem man Heizmedien in den oder unter dem sogenannten Heize­strich verlegt. Sie wird direkt in den Fußboden integriert. Das hat den großen Vorteil, dass sie keine Stell­fläche beansprucht. Hinzu kommt, dass eine Fußbo­den­heizung Strah­lungs­wärme erzeugt, Heizkörper erwärmen die Luft dagegen durch Konvektion. Das bedeutet: Die von einem Heizkörper erwärmte Luft steigt nach oben zur Decke. Wenn diese warme Luft abgekühlt ist, sinkt sie wieder herab und wird durch den Heizkörper wieder erwärmt. Das führt zu einem Strom von warmer und kalter Luft und damit auch zu heißen und kalten Raumbe­reichen. Im Vergleich dazu gibt eine Fußbo­den­heizung die Wärme gleich­mä­ßiger ab und sorgt dabei noch für angenehme Fußwärme.

Heizkörper mit größerer Flexi­bi­lität

Also nur Vorteile für die Fußbo­den­heizung? Nicht unbedingt: Konven­tio­nelle Heizkörper reagieren wesentlich schneller als eine Fußbo­den­heizung und werden zügiger warm. Die Fußbo­den­heizung hat dagegen eine große Fläche und der mehrere Zenti­meter starke Estrich ist ein großer Speicher­körper. Daher ist die Fußbo­den­heizung ein sogenanntes „träges“ Verfahren. Es dauert länger, bis die Wärme durch den Boden an die Luft weiter­ge­geben und die gewünschte Tempe­ratur erreicht wird. Auch eine Nacht­ab­senkung oder ein schnelles Abschalten an warmen Tagen ist kaum möglich. Bei Räumen mit wenig Wärme­bedarf und großen Fenstern kann es an sonnigen Winter­tagen schnell zu heiß werden. Hier sind Heizkörper eindeutig im Vorteil.

Die richtige Tempe­ratur entscheidet

Ein wichtiger Faktor bei jedem Heizungs­system ist die sogenannte Heizwas­ser­vor­lauf­tem­pe­ratur. Bevor Heizwasser in den Heizkreis geleitet wird, muss es passend tempe­riert werden. Dann fließt das erwärmte Wasser durch die Rohrlei­tungen zu den Heizkörpern oder der Fußbo­den­heizung. Mit dem Vorlauf wird also die Strecke vom Austritt aus dem Wärme­er­zeuger, zum Beispiel einer Wärme­pumpe, bis zum Eintritt in die Heizfläche bezeichnet. Je höher die Vorlauf­tem­pe­ratur, desto höher ist auch der dafür benötigte Energie­aufwand.

Eine Flächen­heizung wie die Fußbo­den­heizung lässt sich aufgrund ihrer großen Heizfläche sehr effizient schon mit weniger als 45 Grad Vorlauf­tem­pe­ratur betreiben. Daher kannst du eine Fußbo­den­heizung optimal mit energie­spa­renden Wärme­er­zeugern wie Wärme­pumpen, die mit geringen Vorlauf­tem­pe­ra­turen arbeiten, oder Solar­ther­mie­kol­lek­toren kombi­nieren. Solch ein Heizungs­system wird Nieder­tem­pe­ra­tur­system genannt und arbeitet umso effizi­enter, je niedriger die Heizwas­ser­vor­lauf­tem­pe­ra­turen sind.

In Altbauten mit vergleichs­weise kleinen Heizkörpern muss dagegen mit höheren Vorlauf­tem­pe­ra­turen zwischen 55 und 90 Grad geheizt werden, um einen Raum warm zu bekommen. Das erklärt auch, warum es nicht empfeh­lenswert ist, beide Heizungs­systeme zu mischen, also eine Heizkörper-Heizung zu wählen und gleich­zeitig Rohre zur Fußbo­den­er­wärmung, zum Beispiel im Bad, zu verlegen. Solch eine Mischung wäre wegen der hohen Vorlauf­tem­pe­ratur nicht effizient und die Raumtem­pe­ratur im Bad aufgrund dessen höchst­wahr­scheinlich viel zu hoch.

Energie­ef­fi­zient dank Thermo­stat­steuerung

Einmal instal­liert, heizt du mit einer Fußbo­den­heizung nicht nur aufgrund der geringen Vorlauf­tem­pe­ratur sehr effizient und damit kosten­sparend. In den meisten Fällen wird eine Fußbo­den­heizung Zone für Zone genutzt und raumweise in Bereiche aufge­teilt. Ein Thermostat reguliert die einzelnen Zonen. Die Wärme wird also nur dann in einen Raum geliefert, wenn sie tatsächlich benötigt wird. Das reduziert den Energie­bedarf.

Aber auch bei vorhan­denen Heizkörpern kannst du für eine günstigere Energie­bilanz sorgen, indem du elektro­nische Heizkör­per­ther­mo­state nutzt. Dazu empfehle ich dir einen Blogbeitrag zu Heizkosten, den mein Kollege Andreas Hugo kürzlich geschrieben hat. Aller­dings ist die Thermo­stat­steuerung in eine Fußbo­den­heizung bereits von Anfang an integriert, während sie bei Heizkörpern in der Regel erst noch nachge­rüstet werden muss.

Fußbo­den­heizung und Heizkörper im Vergleich: ein Überblick

Fußbo­den­heizung

  • Benötigte Stell­fläche: Räume sind frei verfügbar, es wird keine Stell­fläche benötigt
  • Art der Erwärmung: Erzeugt Strah­lungs­wärme, die gleich­mäßig abgegeben wird, erzeugt angenehme Fußwärme
  • Benötigte Vorlauf­tem­pe­ratur: Heizt energie­sparend mit geringer Vorlauf­tem­pe­ratur
  • Einbau: Im Neubau problemlos, im Altbau schwierig, aber möglich
  • Geeig­neter Boden­belag: Bei Teppich nur Spezial-Teppich möglich, für Parkett, Laminat, Estrich und Fliesen geeignet
  • Reakti­ons­ge­schwin­digkeit: „Träges“ Verfahren, keine schnelle Tempe­ra­tur­stei­gerung oder -absenkung möglich
  • Regulierung durch Thermostat: Bereits automa­tisch inbegriffen, arbeitet daher energie­ef­fi­zient
  • Einbau-Kosten: Im Neubau vergleichbar bis gering­fügig höher als bei Heizkörpern, im Altbau deutlich höher

Heizkörper

  • Benötigte Stell­fläche: Heizkörper benötigen Platz
  • Art der Erwärmung: Heizt durch Konvektion, dadurch entstehen ungleich­mäßig warme Raumzonen,
  • erzeugt keine Fußwärme
  • Benötigte Vorlauf­tem­pe­ratur: Benötigt mittlere bis hohe Vorlauf­tem­pe­ratur
  • Einbau: Überall problemlos möglich
  • Geeig­neter Boden­belag: Boden­belag spielt keine Rolle
  • Reakti­ons­ge­schwin­digkeit: Reagiert schnell auf Verän­de­rungen der Einstel­lungen
  • Regulierung durch Thermostat: Nicht inbegriffen, kann aber nachge­rüstet werden
  • Einbau-Kosten: In allen Objekten ähnlich hoch wie ein vergleich­barer Fußboden-Heizungs-Einbau im Neubau

Ihr seht, ihr habt also die Qual der Wahl.

Euer Tim

DIESEN BEITRAG TEILEN

Related Posts

Dein Kommentar?

Du musst eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Bitte beachtet unsere Netiquette!