E-Auto im Winter

Das Elektroauto im Winter: Tipps für mehr Reich­weite

Christian Olbrisch

Unser Autor:

Elektro­autos verhalten sich im Winter anders als Benzin- oder Diesel­fahr­zeuge. Mit diesen Tipps kommst du mit dem E-Auto gut durch die kalte Jahreszeit.

Autoheizung verbraucht viel Energie

Winterzeit ist Heizungszeit – nicht nur in den eigenen vier Wänden, auch im Auto haben wir es bei Außen­tem­pe­ra­turen um den Gefrier­punkt gerne kuschelig warm. Mit Hilfe der Innen­raum­heizung, der Sitzheizung, des Gebläses, der Heizung für Scheiben und Außen­spiegel und weiteren sogenannten Neben­ag­gre­gaten können wir unser Auto beinahe in ein zweites Wohnzimmer verwandeln. Doch im Gegensatz zu Verbren­nungs­mo­toren produ­ziert ein effizi­enter Elektro­motor keine überschüssige Abwärme, die im Winter zum Heizen genutzt werden kann, sondern führt seine Kraft direkt dem Antriebs­strang zu. Heizungs­wärme muss also zusätzlich durch Strom erzeugt werden und reduziert so zwangs­läufig die Reich­weite des Elektro­autos. Nach Schät­zungen des ADAC werden bis zu 5 Kilowatt Leistung fürs Heizen benötigt, was bei einem Klein­wagen schon einen großen Teil der Akkuka­pa­zität ausmachen kann. Außerdem benötigt auch die Batterie des E-Autos Wärme, damit der Strom schneller fließen kann. Wenn du ein paar grund­le­gende Dinge berück­sich­tigst, wirst du selbst bei winter­lichen Minus­graden mit deinem Elektroauto nicht liegen bleiben.

Experte rät: Wärme­pumpe im E-Auto mindert Reich­weiten-Verlust

Stefan Kirschner, Erster Vorsitzender von „Klingenstromer e.V.“

Stefan Kirschner ist Elektro­fahrzeug-Pionier und Erster Vorsit­zender von „Klingen­stromer e.V.“. Sein Verein, deren Mitglieder selbst Elektro­autos fahren oder diese fördern, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Elektro­mo­bi­lität zum Zweck des Umwelt­schutzes in Solingen voran­zu­bringen. Kirschner ist schon „elektrisch“ durch so manchen Solinger Winter gefahren und weiß daher genau, worauf E-Mobilisten von November bis Februar besonders achten sollten. Er rät: Eine serien­mäßig einge­baute oder als Zusatz­aus­stattung nachge­rüstete Wärme­pumpe im E-Auto lohnt sich. Im Winter kann sie den durch Heizungs­be­trieb im Sommer den durch die Klima­anlage verur­sachten Reich­wei­ten­verlust deutlich verringern.

An der Ladestation vorheizen spart Energie

Über die Ausstattung des E-Autos hinaus gibt es aber auch im Fahralltag Möglich­keiten, die Fahrzeug-Reich­weite in kalten Tagen zu erhalten. So ist es für dich als Autofah­rerin oder -fahrer sehr angenehm, in ein schon warmes Auto mit nicht beschla­genen Scheiben zu steigen. Aber auch dem Reich­wei­ten­erhalt tut es gut, das E-Fahrzeug vor Fahrt­an­tritt vorzu­wärmen. „Mit einer Handy-App oder einem Timer im Bordcom­puter kann man einstellen, dass das Auto bereits während des Ladevor­gangs, z. B. in der heimi­schen Garage, kurz vor der Abfahrtszeit vorge­heizt wird“, weiß Stefan Kirschner. „Die zum Aufheizen benötigte Energie geht dann nicht zu Lasten der Fahrzeug­bat­terie, sondern wird über das Ladekabel aus dem Stromnetz entnommen. Denn Heizung und Gebläse sowie die Heizung für Scheiben und Außen­spiegel sind nun einmal die größten Strom­fresser, Sitz- und Lenkrad­heizung sind deutlich sparsamer.“ Außerdem empfiehlt der E-Auto-Experte, das Auto bei Winter­tem­pe­ra­turen nachts wenn möglich immer in der Garage abzustellen. So kühlt es nicht so stark aus und die Scheiben und Außen­spiegel können gar nicht erst von außen vereisen. Sollte es sich doch einmal nicht vermeiden lassen, das Auto ohne vorherige Lademög­lichkeit mit vereisten Scheiben zu starten und mit laufendem Motor für freie Sicht zu sorgen, stößt das E-Auto dabei immerhin keine Abgase aus wie ein Verbrenner.

E-Auto ermög­licht sensi­blere Fahrweise bei Eis und Schnee

Allem Reich­wei­ten­erhalt zum Trotz solltest du niemals an deiner Autobe­leuchtung sparen, denn sie sorgt für Sicherheit, besonders in der dunklen Jahreszeit. Nach Unter­su­chungen der Prüfge­sell­schaft Dekra haben Klein­ver­braucher im E-Auto, zum Beispiel Navigation, Radio, aber auch die Beleuchtung, ohnehin keine sehr große Auswirkung auf die Reich­weite. Einen positiven Effekt hat dagegen eine gleich­mäßige Fahrweise. Auch solltest du bei Fahrstopps die Türen nicht unnötig lange offen stehen lassen und unterwegs Möglich­keiten zum Nachladen nutzen. Im Unter­schied zu Fahrzeugen mit Verbren­nungs­motor bieten Elektro­autos gerade im Winter echte Vorteile: „Der E-Auto-Antrieb reagiert viel feiner und direkter auf meinen Fuß am Beschleu­ni­gungs­pedal, weil nicht erst ein Gang eingelegt oder der Kupplungs-Schleif­punkt gehalten werden muss“, erklärt Stefan Kirschner. „Nach meinen Erfah­rungen kann ich dadurch bei schwie­rigen Straßen­ver­hält­nissen viel sensibler reagieren und sanfter anfahren.“ Stefan Kirschner weist außerdem darauf hin, dass sich bei einem Elektro­fahrzeug aufgrund der sogenannten Rekuperation die Fahrge­schwin­digkeit verringern lässt, auch ohne dazu auf die Bremse treten zu müssen. „Denn wenn ein Elektroauto beispiels­weise einen Berg hinun­ter­fährt, wird der Elektro­motor als Generator genutzt. Die Räder übertragen die Bewegungs­en­ergie über den Antriebs­strang zum Elektro­motor, der dann ähnlich wie der Dynamo eines Fahrrads funktio­niert. Er bremst das Auto, indem er Bewegungs­en­ergie aufnimmt und diese in elektrische Energie umwandelt. Das kann gerade bei Schnee von großem Vorteil sein“, erläutert Stefan Kirschner.

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