Thermografie-Aktion Beispielbild

Warum sich eine Thermo­grafie lohnt

Unser Autor:

Im nächsten Frühjahr bieten wir wieder eine Thermo­grafie-Aktion an: Aufnahmen eures Hauses mit einer Wärme­bild­kamera zeigen dabei mögliche energe­tische Schwach­stellen auf. Hier gibt es Infos rund um die aktuelle Thermografie-Aktion.

Interview zur Thermo­grafie-Aktion 2022

Um mehr zu erfahren habe ich mich mit Florian Bublies von der Verbrau­cher­zen­trale Solingen und mit Bastian Schumacher, zustän­diger Projekt­leiter in unserem Haus, unterhalten:

Kerstin Griese: Hallo Herr Bublies, seit 2010/2011 führen die Verbrau­cher­zen­trale Solingen und die Stadt­werke Solingen gemeinsam die Thermo­grafie-Aktion durch. Wie kam es zu der Zusam­men­arbeit?
Florian Bublies: In den Jahren vor 2010 hat die Verbrau­cher­zen­trale NRW das Themenfeld „Außen­ther­mo­grafie von Gebäuden“ über separat beauf­trage Thermo­grafen (Dienst­leister) in Eigen­regie angeboten. Im Vorder­grund stand hierbei immer eine beglei­tende und neutrale Energie­be­ratung im Anschluss an die Wärme­bild­auf­nahmen. Parallel fanden Thermo­grafie-Aufnahmen durch die Stadt­werke Solingen statt. Weil zwei parallel bewor­benen und ausge­führte Thermo­grafie-Aktionen in unseren Augen nicht zielführend gewesen wären, haben wir uns auf diese äußerst erfolg­reiche Zusam­men­arbeit geeinigt. Somit konkur­rieren nicht zwei gleich­wertige Angebote mitein­ander, sondern fügen sich zum Vorteil der Verbraucher zusammen.

Griese: Hallo Bastian, die Maßnahme kostet 99 Euro? Wofür fallen die Kosten an?
Bastian Schumacher: Zunächst einmal muss ich sagen, dass wir die Thermo­grafie-Aktion seit 2006/2007 anbieten. Wir haben jetzt erstmals moderat die Preise angepasst – nach 15 Jahren. Hinter­grund ist, dass wir mit einem Dienst­leister arbeiten, der die Thermo­grafie-Aufnahmen erstellt, und ich selbst einigen Aufwand in die Organi­sation stecke. Das wird über den Kosten­beitrag kompen­siert. Reich werden wir dadurch aber nicht.

Griese: Wie teuer ist die anschlie­ßende Beratung?
Bublies: Im Anschluss an die Aufnahme der Thermo­grafie-Bilder stehen die Energieberater:innen der Verbrau­cher­zen­trale für umfas­sende Beratungen, das Gebäude betreffen, zur Verfügung. Unsere telefo­nische Beratung und die Videobe­ratung sind für Verbraucher:innen kostenlos. Gleiches gilt für persön­liche Beratungen in einer unserer Beratungs­stellen. Pande­mie­be­dingt sind unsere Vorort-Beratungen am Objekt derzeit noch etwas schwierig und es kann zu etwas längeren Warte­zeiten kommen. Eine Vorort-Energie­be­ratung kostet 30 €. Für alle Beratungs­an­gebote gilt: Bitte im Vorfeld über unsere Hotline 0211/33 996 555 einen konkreten Termin vereinbaren.

Griese: Beide Partner, also die Verbrau­cher­zen­trale Solingen und wir übernehmen verschiedene Aufgaben. Wer macht was?
Schumacher: Wir kümmern uns vor allem um die Organi­sation und bewerben die Maßnahme. Ich sammle die Inter­es­senten, beauf­trage den Dienst­leister und dieser vereinbart selbst­ständig die Besuchs­termine mit den Inter­es­senten.
Bublies: Bei unseren Energie­be­ra­tungen sind neutrale und verbrau­cher­ori­en­tierte Ansätze der Schlüssel zum Erfolg. Wir betrachten immer das gesamte Gebäude, um alle möglichen Sanie­rungs­an­sätze heraus arbeiten zu können. Energie­ein­sparung (und der Klima­schutz­ge­danke) stehen im Fokus, aber immer im Einklang mit den persön­lichen und objekt­be­zo­genen Randbe­din­gungen. Aktuelle Infor­ma­tionen zu Förder­mitteln und Zuschüssen sind ebenfalls Bestand­teile der Beratung. Der Verbraucher soll am Ende wissen, welche Maßnahmen oder auch Maßnah­men­kom­bi­na­tionen für ihn sinnvoll sind. Ebenfalls kann durch eine Thermo­grafie aber auch heraus­kommen, dass im Bereich der Gebäu­de­hülle keine Sanie­rungs­maß­nahmen notwendig zu sein scheinen, weil sich nur geringe Energie­ver­luste zeigen.

Griese: Wer führt denn die Thermo­grafie-Aufnahmen durch? Und wieso muss die ein Profi auswerten?
Schumacher: Wir arbeiten von Anfang an mit der Firma Delta aus Leibzig. Die sind deutsch­landweit tätig, haben also eine Menge Erfahrung. Und die Zusam­men­arbeit läuft wirklich gut.
Bublies: Eine Auswertung der Thermo­grafie-Aufnahmen sollte nur durch speziell geschultes Fachper­sonal getätigt werden. Es kommt nicht selten vor, dass Wärme­bild­auf­nahmen nicht richtig gedeutet werden und daraus aus energe­ti­scher Sicht nicht notwendige Sanie­rungs­maß­nahmen abgeleitet werden. Wir sprechen hier von Fehlin­ves­ti­tionen in oftmals hohen Eurobe­trägen. Zum Beispiel sind Dach- und Fassa­den­kon­struk­tionen ggf. hinter­lüftet. Über Thermo­grafie-Bilder von außen können diese Bauteile nur schwer beurteilt werden. Diese Infor­ma­tionen, d. h. Infor­ma­tionen zu der Bausub­stanz, benötigt ein Energie­be­rater zwingend, um fehler­freie Aussagen ableiten zu können. Des Weiteren darf es durch ein hinter­grün­diges Verkaufs­in­teresse nicht zu verfälschten Aussagen kommen. Ein Energie­be­rater sollte zu keinem Zeitpunkt neben der Beratungs­funktion auch eine Ausführung von Sanie­rungs­maß­nahmen anbieten. Diese Punkte stellen wir über unsere Energie­be­rater sicher.

Griese: Muss ich als Inter­essent, die Firma Delta in meine Wohnung lassen?
Schumacher: Nein, keiner betritt die Wohnung. Die Aufnahmen werden von außen gemacht. Dazu müssen wir aber meistens auf das Grund­stück und das ggf. mitten in der Nacht. Wir kündigen diese Besuche an. Der Auftrag­geber muss dann gar nichts machen, aber er soll sich auch nicht erschrecken, dass sich jemand auf dem Gelände aufhält.

Griese: Warum erfolgen die Aufnahmen eigentlich immer im Winter?
Bublies: Um die Tempe­ra­tur­un­ter­schiede durch eine Außen­ther­mo­grafie darstellen zu können, müssen die Innen­tem­pe­ra­turen im Haus und die Außen­luft­tem­pe­ra­turen eine möglichst große Differenz aufweisen. Diese Verhält­nisse treten im Winter deutlich stärker auf. Gerade auch, weil hier durch die Heizung alle Räumlich­keiten auf die annähernd gleiche Tempe­ratur gebracht werden können und es somit nicht zu fehler­haften Darstel­lungen kommt.

Griese: Warum macht es Sinn, das gesamte Objekt und nicht nur einzelne Wohnungen aufzu­nehmen?
Bublies: Es ist möglich, auch nur einzelne Wohnungen oder einzelnen Gebäu­de­teile zu thermo­gra­fieren. Aller­dings beziehen sich die anschlie­ßenden Sanie­rungs­maß­nahmen oftmals auf das gesamte Gebäude, wie z. B. bei Fassaden- oder Dachdäm­mungen. Aller­dings können auch einzelne Fenstern oder Türen saniert werden.

Griese: Lohnt sich die Thermo­grafie-Aktion eigentlich auch für Mieter?
Schumacher: Grund­sätzlich sind die Thermo­grafie-Aufnahmen für Eigen­tümer, Vermieter und Mieter inter­essant. Aber aus den Aufnahmen leitet sich kein Rechts­an­spruch ab. Der Mieter kann damit den Vermieter z. B. nicht zu einer Sanierung verpflichten. Deshalb nutzen vor allem Eigen­tümer unser Angebot. Übrigens: Frauen eher als Männer!

Griese: Wenn jetzt ein Inter­essent diese Aufnahmen über uns bucht, was macht er mit den Ergeb­nissen?
Bublies: Wir als Verbrau­cher­zen­trale beraten unabhängig und neutral. Die entspre­chenden Möglich­keiten und Kosten habe ich ja bereits genannt. Sehr zielführend ist eine Durch­sprache der Wärme­bild­auf­nahmen im Zuge einer Videobe­ratung. Hier können alle Details besprochen werden und sinnvolle Sanie­rungs­maß­nahmen, das gesamte Gebäude betreffen, abgeleitet werden. Der Zeitrahmen für eine Videobe­ratung liegt bei 30 Minuten.

Griese: Sie empfehlen anschließend eine umfas­sende Energie­be­ratung, dazu gehört neben den Ergeb­nissen über die Gebäu­de­hülle, auch die Heizungs­anlage und die Warmwas­ser­auf­be­reitung. Warum?
Bublies: Große Teile der CO2-Emissionen sind auf den Einsatz von fossilen Energie­trägern zurück­zu­führen. Hier spielt die Heizungs­technik und die Art und Weise der Warmwas­ser­be­reitung eine Schlüs­sel­rolle. Gerade bei der Beratung zu neuen Heizungs­mög­lich­keiten sprechen wir mit den Verbrauchern:innen über die Zusam­men­hänge der CO2-Steuer und die zukünftig recht­lichen Rahmen­be­din­gungen. Nur so kann das Verständnis für einen Energie­trä­ger­wechsel – also eine langfristige Entscheidung – entstehen. Leider werden auch heutzutage noch viel zu häufig lediglich die reinen Inves­ti­ti­ons­kosten gegen­ein­ander abgewogen, ohne auf die zukünf­tigen Betriebs- und Energie­trä­ger­kosten zu schauen. Für viele Verbraucher:innen spielen neben der Wirtschaft­lichkeit aber auch Faktoren wie Komfort, Umwelt­freund­lichkeit, Autarkie etc. entschei­dende Rollen.

Anmeldung zur Thermo­grafie-Aktion 2022

Die Anmeldung zur Thermo­grafie-Aktion ist ab sofort möglich bis zum 16. Januar 2022. Die eigent­lichen Aufnahmen werden dann vom 7. bis 11. Februar 2022 gemacht. Strom- und/oder Gaskunden der Stadt­werke Solingen zahlen 99 Euro. Im Anschluss an die Aufnahmen führt die Verbrau­cher­zen­trale eine kostenlose Telefon- oder Videobe­ratung durch. Wer möchte, kann auch eine Beratung bei der Verbrau­cher­zen­trale am Werwolf oder bei sich vor-Ort buchen. Diese kostet dann 30 Euro.

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