Schornsteinfeger Rolf Stelter

Aufs Dach gestiegen: Was macht eigentlich ein Schornsteinfeger?

Kerstin Griese

Unser Autor:

Einmal anfassen, bitte! Schorn­stein­feger sind überall herzlich willkommen. Doch was machen sie eigentlich sonst noch, außer Glück bringen? Darüber habe ich mit Bezirks­schorn­stein­feger Rolf Stelter gesprochen.

Griese: Hr. Stelter, nervt es oder freut es Sie, wenn Menschen Sie im Vorbei­gehen einfach mal schnell anfassen wollen?
Stelter: Das kommt bei mir mehrmals am Tag vor und ich bekomme jedes Mal gute Laune, wenn Menschen sich über meine Anwesenheit freuen.

Griese: Woher stammt eigentlich der Glaube, dass Schorn­stein­feger Glück bringen?
Stelter: In früheren Zeiten, in denen Häuser haupt­sächlich aus Holz gebaut waren (so wie auch die schönen Fachwerk­häuser in meinem Bezirk um Gräfrath herum), führte ein Brand schnell zur Katastrophe. Auch Gräfrath ist mal halb abgebrannt. Doch Schorn­stein­feger waren schon im Mittel­alter als Handwerks­ge­sellen unterwegs, um Schorn­steine zu reinigen. So konnte gekocht und geheizt werden und außerdem verrin­gerten sie mit ihrer Arbeit die Gefahr von Schorn­stein­bränden. Für die Menschen brachte der Schorn­stein­feger also Sicherheit und damit Glück ins Haus. Das hat sich bis heute erhalten.

Griese: Ihr Beruf hat also eine lange Tradition. Aber ein Schorn­stein­feger wie Sie hat – soweit ich das weiß – doch noch deutlich mehr Aufgaben als die Schorn­stein­rei­nigung, oder?
Stelter: Ja, unsere Haupt­aufgabe besteht aus der Überprüfung von Heizungs-, Abgas- und Lüftungs­an­lagen auf ihre Betriebs- und Brand­si­cherheit. Durch regel­mäßige Kontrollen sorgt der Schorn­stein­feger dafür, dass diese Anlagen sauber sind, einwandfrei und damit gefahrlos funktio­nieren. Außerdem reinigen wir natürlich die Schorn­steine, um sie von Ruß und anderen Ablage­rungen zu befreien. Eine meiner wichtigsten Kernkom­pe­tenzen besteht außerdem in der baurecht­lichen Abnahme von Feuerungs­an­lagen. Das sind Anlagen zur Wärme­er­zeugung wie zum Beispiel Feuer­stätten, Wärme­pumpen oder Block­heiz­kraft­werke. Als vor ein paar Jahren die sog. Rauch­mel­der­pflicht einge­führt wurde, entwi­ckelte sich auch das zu einem Aufga­ben­gebiet für uns Schorn­stein­feger. So übernehmen wir bei Bedarf die gesetzlich vorge­schriebene Montage und die jährliche Überprüfung von Rauchmeldern.

Griese: Stichwort Energie­sparen und Energie­ef­fi­zienz: Auch da kommen Sie als Schorn­stein­feger in Spiel, richtig?
Stelter: Genau. Rund 90 Prozent aller Schorn­stein­feger stellen für ihre Kunden die gesetzlich gefor­derten Energie­aus­weise aus und beraten natürlich auch energetisch.

Griese: In puncto energie­spa­rendem Verhalten und energie­ef­fi­zi­entem Heizen haben Sie als Bezirks­schorn­stein­feger doch bestimmt schon so Einiges gesehen. Was machen viele Kunden falsch? Was sind die wichtigsten Ratschläge, die Sie geben können?
Stelter: Die regel­mäßige Wartung der Heizungs­anlage wird gerne mal „geschlabbert“. Das sehe ich dann an den sich verschlech­ternden Abgas­werten der Anlage. Das ist weder gut für die Anlage noch energie­ef­fi­zient. Hier kann ich nur immer wieder sagen, dass die jährliche Anlagen­wartung ganz erheblich zum sicheren und natürlich auch zum energie­spa­renden Heizungs­be­trieb beiträgt. Außerdem lohnt es sich für die Kunden, selbst ab und zu bestimmte Einstel­lungen der eigenen Heizungs­anlage vorzu­nehmen, zum Beispiel die Zeitschaltuhr zur Heizungs­steuerung zu kontrol­lieren. Die Heizung soll ja in der Regel nicht ständig auf vollen Touren laufen, sondern nur zu bestimmten Tages­zeiten und bei bestimmten Außen­tem­pe­ra­turen. Auch das Aktivieren der Nacht­ab­senkung kann sinnvoll sein.

Griese: Hr. Stelter, Sie als Bezirks­schorn­stein­feger bilden in Ihrem Betrieb angehende Schorn­stein­fe­ge­rinnen und Schorn­stein­feger aus. Welche Voraus­set­zungen sollten zukünftige Gesel­linnen und Gesellen denn für diesen Beruf mitbringen? Und wie hoch ist eigentlich der Frauen­anteil in Ihrem Beruf?
Stelter: Im Bezirk Gräfrath-Zentrum hat gerade eine neue Bezirks­schorn­stein­fe­gerin ihre Tätigkeit aufge­nommen und meine vorletzte Auszu­bil­dende war eine junge Frau. Ich würde sagen, etwa zehn Prozent der Schorn­stein­feger in Deutschland sind weiblich, Tendenz steigend. Und wer in diesem schönen Beruf Fuß fassen möchten – egal welchen Geschlechts – der sollte die Fachober­schul­reife haben, denn man hat u. a. viel mit Geset­zes­texten zu tun. Auch ein gutes mathe­ma­ti­sches Verständnis wäre wichtig, handwerk­liches Verständnis und Geschick sehr wünschenswert und natürlich Schwindelfreiheit!

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